Egon und die starken Frauen: Kampfsport gegen Räuber

23. März 2005, 18:13
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Immer wehren - Es hilft zu wissen, wo und wie im Fall eines Überfalls oder Vergewaltigungs-Versuchs hinzuschlagen ist

Angesichts steigender Kriminalitätsraten fühlen sich viele Frauen auf offener Straße nicht sicher. Da hilft es zu wissen, wo und wie im Fall eines Überfalls - oder eines Vergewaltigungsversuchs - hinzuschlagen ist. Ein Lokalaugenschein im Selbstverteidigungskurs.

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Wien - Inge S. weiß, wie es klingt, wenn weibliche Gegenwehr auf Männergewalt trifft. Sie weiß, wie der getroffene Mann dann reagiert: "So ein gezielter Schlag mit dem Ellenbogen ins Weiche, auf eine der Körperstellen, wo es viele Nervenbahnen gibt - uhh, das tut schon weh!"

Die schmerzverzerrte Reaktion ist nicht alles, ergänzt Selbstverteidigungstrainer Egon Winter, der im Verein Goshindo Women Defense seit fünf Jahren Kurse anbietet. Vielmehr eröffne sie das Zeitfenster für den Einsatz von Abwehrmethode Nummer zwei: der Werftechnik, die selbst schmächtige Personen in die Lage versetzt, Gegner aufs Kreuz zu legen.

Potenzielle Gefahrensituation erkennen

In einem hell erleuchteten Volksschulturnsaal schreitet Winter zum Anschauungsunterricht. Der Polizist hat das Training gegründet, da die Kurse des kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes nur Grundkenntnisse vermitteln und viele Frauen weitere Kenntnisse erlangen wollten.

"Karin, komm", fordert er eine blonde Frau auf, die um einen halben Kopf kleiner ist als er selbst. Karin packt ihn an Schulter und Arm, und - Krach! - da liegt er.

Seinen Schülerinnen sollen die Elemente asiatischen Kampfsports zum Beispiel im Fall eines Raubüberfalls helfen, wie ihn vergangenen Herbst die Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein erleben musste; sie erlitt Verletzungen, konnte den Täter aber abwehren. Der Mann hatte den Moment abgepasst, in dem Bierlein vor ihrem Wohnhaus den Torschlüssel zückte: vor allem nachts eine potenzielle Gefahrensituation, wie der Trainer im Theorieblock erläutert.

Sicherheitstipps

Seine Sicherheitstipps: Vor dem Haustoraufsperren auf mögliche Verfolger achten, im Zweifelsfall weitergehen und im nächsten Beisl um Hilfe ersuchen. Ist kein Beisl - oder auch Taxi - in Sicht: In der Straßenmitte gehen und gegebenenfalls laut um Hilfe rufen. Vor dem Betätigen des Handynotrufs 112 oder jenes der Polizei (133) auf den Namen der Straße achten, in der man sich befindet.

"Keine Geldbörse oder Schmuck sind es wert, sich in ernste Gefahr zu begeben", gibt Winter für den Fall einer direkten Konfrontation zu bedenken. Diesen Tipp dehnt er aber explizit nicht auf jene Form von Gewalt aus, die im öffentlichen Raum hauptsächlich Frauen bedroht: Vergewaltigung. Immer wehren<>

Grund dafür: Von zehn Frauen, die sich nicht wehren, werden acht bis neun überwältigt. Von zehn Frauen, die sich verteidigen, entkommen acht bis neun. "Ich glaube, ich würde auf einen Angreifer immer weiter einschlagen", verkündet etwa Kursteilnehmerin Inge S. Nicht nur bei ihr ist Zorn an die Stelle traditioneller weiblicher Furchtsamkeit getreten. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 21.3 2005)

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    Übung macht die Meisterin: Asiatische Kampffilme zeigen schon immer, wie erfolgreich Frauen ihre Angreifer abwehren können

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