Was ist Endometriose?

24. April 2005, 17:00
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Symptome, Ursachen und Therapie

Endometriose ist eine chronische Frauenkrankheit, bei der sich die normalerweise in der Gebärmutterhöhle angesiedelte Schleimhaut auch außerhalb ihres vorgesehenen Platzes einnistet – zum Beispiel in der Gebärmutterwand, im Eileiter in den Eierstöcken, an der Harnblase, aber auch außerhalb des Genitalbereiches an Darm, Nabel und in seltenen Fällen sogar an Lunge, Leber und Haut. Da diese Schleimhaut zyklusbedingten Veränderungen unterworfen ist (wird das Ei nicht befruchtet, blutet die Schleimhaut mit der Menstruation ab), kommt es in den sogenannten Endometriose-Herden ebenfalls zu Blutungen in das umliegende Gewebe wie Bauchfell, Gebärmuttermuskulatur, in die Blase oder in den Darm.

Unfruchtbarkeit

Für die Betroffene kann dieser Prozess mit extremen Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen der jeweiligen Organe verbunden sein. Neben Periodenschmerzen treten oft auch Kreuz- und Beckenbodenschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Urinieren auf. Einen großen Einfluss kann die Krankheit auch auf die Fruchtbarkeit haben: In 30 bis 40 Prozent der Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit ist Endometriose die Ursache. Andererseits gibt es auch Frauen, die jahrelang unerkannt und ohne Beschwerden mit Endometriose leben. Statistisch gesehen kommt Endometriose bei ungefähr 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter vor und führt bei etwa der Hälfte zu mehr oder weniger beeinträchtigenden Beschwerden.

Ursache

Die Ursachen für diese bislang wenig erforschte Krankheit sind nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie die Schleimhautzellen an die "falschen Orte" gelangen. Es könnte sein, dass sie rückwärts durch die Eileiter in das kleine Becken transportiert werden. Eine andere Theorie besagt, dass sich Zellen des Bauchfells und bestimmter Organe durch bestimmte Einflüsse in Schleimhautzellen umwandeln.

Diagnose

Ein großes Problem ist die lange Dauer der entgültigen Diagnose. Im Mittel dauert es sieben Jahre (bei Schmerzpatientinnen sogar 9), bis Frauen entsprechend der Krankheit behandelt werden können. Dies liegt unter anderem daran, dass eine definitive Diagnose nur durch einen operativen Eingriff wie der Bauchspiegelung möglich ist. Im Vorfeld kann durch Ultraschalluntersuchungen, Computertomographie, Magnetresonanztherapie und Röntgenuntersuchungen die Diagnose eingeschränkt werden.

Therapie

Für die Entfernung der Endometriose-Herde ist ein operativer Eingriff nötig, die sogenannte Bauchspiegelung (= Laparoskopie). Viele Frauen werden auch mit Schmerzmitteln behandelt bzw. mit der Pille, um ein weiteres Fortschreiten der Krankheit zu behindern. Auch psychologische Beratung, chinesische Medizin und ganzheitliche Heilansätze kommen zum Einsatz.

Problematik

Da Probleme bei der Menstruation häufig als "normal" angesehen werden, wird die Erkrankung mit Endometriose oftmals erst sehr spät entdeckt. Die Patientinnen sind mit Bagatellisierung und Verkennung ihrer Beschwerden konfrontiert, sie müssen sich aufgrund ärztlicher Fehldeutungen nutzlosen Behandlungen unterziehen. Gleichzeitig sind die Frauen oftmals in der Partnerschaft belastet, in ihrem Sexualleben beeinträchtigt und beruflich durch jahrelange Schmerzen behindert. (red)

Vorliegende Zusammenstellung basiert auf einem Vortrag von Professor Jörg Keckstein, Vorstand der gynäkologischen Abteilung im Landeskrankenhaus Villach. Er wurde anlässlich des ersten Österreichischen Endometriose Tages am 12. März 2005 in Wien gehalten.
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    flyer: menstruation und endometriose
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