Kommentar: Ertappt

18. März 2005, 22:19
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Fußnoten zu den Kommentaren der anderen von Edith Saurer & Peter Weinberger und Gerhard Botz - von Michael Jäger

Dass man sich hinter einem Kürzel nur schlecht verbergen kann – noch dazu in einer Fußnote –, hätte ich wissen müssen. Dabei war alles so gut geplant: Erst vertausche ich in einem Interview, das ich gar nicht kenne, den Bundespräsidenten gegen den Bundeskanzler. Dann bekehre ich alle, die nicht "an die Opferrolle glauben", indem ich mich hinter Erich Hackl verstecke. Obwohl ich eigentlich Andreas Mölzer bin, der so tut, als hätte er Wolfgang Schüssel nicht verstanden.

Liebe Frau Saurer, lieber Herr Weinberger, nur ein paar Fragen noch:

1) Welch heimtückische Mission steckt eigentlich hinter der Usance der "Neuen Zürcher Zeitung", in der Regel sämtliche Textbeiträge mit Verlagskürzel zu zeichnen?

2) Wie eignet man sich so viel Gefühlskälte an, ohnmächtigen Zorn als Ausdruck von Bequemlichkeit zu diffamieren?

3) Muss ich Wissenschaftlern Ihres Ranges wirklich erst den Unterschied zwischen diskursivem (Argumente) und literarischem (Collage) Verfahren erklären?

Wenn Sie mit dem Hinweis auf das angebliche "Wegwischen einer (als bloß scheinbare qualifizierte) Empörung eines Zeithistorikers" zum Ausdruck bringen wollten, dass ich den Anlass seiner Empörung als vermeintlich qualifiziere, bzw. diese selbst nicht bloß scheinbar für unangemessen halte, gebe ich Ihnen allerdings Recht.

Im Übrigen: Finden Sie nicht, dass die Versteckmöglichkeiten bei der Wahrheitssuche etwas ungleichgewichtig verteilt sind: Während ich mich hinter einem Verlagskürzel zusammenkauern muss, ziehen Sie es vor, sich mit vollem Namen in einer "Wir alle"-Höhle zu verschanzen. Haben Sie's auch bequem?

PS zu Ihrem PS: Es war eine Notiz.

PPS zu Gerhard Botz:

1) Faktum ist: Schüssel hat Fischers Opfer-Täter-Aussage zustimmend zitiert und kommentiert ("beieindruckende Signale"). Die "Richtigstellung" meines Übertragungsfehlers (Kanzler statt Präsident) nun so zu konstruieren, dass der Eindruck entstehen muss, dieser habe etwas gesagt, was jener unterlassen habe, ist schlicht unlauter. Zumal Sie damit zugleich suggerieren, ich hätte meinen Lapsus bewusst gesetzt, um genau den gegenteiligen Eindruck zu erzeugen. (Davon abgesehen dass die Befreiungsfeier in Auschwitz nicht am 26. sondern am 27. Jänner stattfand.)

2) Ich habe, wie Sie wissen, mich um die Tonbandaufzeichnung des NZZ-Interviews bemüht, um der Frage nachzugehen, ob sich das kleine "nicht" im vielerseits inkriminierten Schüssel-Satz ("...werde nicht zulassen, dass man Österreich nicht als Opfer sieht") vielleicht eine betonende Kursiv-Setzung verdient hätte. Hat dann aus technischen Gründen nicht funktioniert, freue mich aber, dass zumindest ein "und" in ihrer Zitierweise den Karrieresprung ins Kursive geschafft hat – wenn auch nur kurzfristig (vgl. Abs. 1 und 3).

*Und noch eine letzte Fußnote (zu Platons Höhlengleichnis; oben links): Das ist natürlich noch nicht die ganze Wahrheit. Die restlichen 33,3 Prozent können Sie zum Beispiel in "Anettes Philosophenstübchen" nachlesen (www.thur.de/philo/philo5.htm), dem auch die Illustrationen entnommen sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20. 3. 2005)

Ein Kommentar von Michael Jäger als Replik auf:

"Auf den Leim gegangen?"
Kommentar der anderen von Edith Saurer und Peter Weinberger

und

"Wolfgang Schüssel richtig verstehen"
Kommentar der anderen von Gerhard Botz
  • Platons Höhlengleichnis: Gefangene, in einer Höhle angekettet, sehen nur Schatten, die sie für die Realität halten.

    Platons Höhlengleichnis: Gefangene, in einer Höhle angekettet, sehen nur Schatten, die sie für die Realität halten.

  • Einer entkommt. Er verlässt die Höhle und sieht die wirkliche Welt ...*

    Einer entkommt. Er verlässt die Höhle und sieht die wirkliche Welt ...*

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