Networking im Netz

3. Mai 2005, 10:48
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Das Peinliche zuerst: Am Schluss der letztwöchigen Kolumne ist mir ein Schreibfehler unterlaufen - "256 KB RAM" sei die heutige Basisausstattung von PCs mit Kernspeicher. Das war eine Art Zeitreise: 256 Kilobyte (KB) RAM haben PCs vor 15 Jahren gehabt, heute sind es natürlich 256 Megabyte (MB), also das Tausendfache. Sorry. Es sollte also heißen, dass man heute 512 MB (Megabyte) RAM oder mehr haben sollte.

Apropos Zahlen: Die nächste Größe sind Gigabyte (GB), also 1024 Megabyte. Warum 1024 und nicht 1000? Das hat mit den Eigenheiten des binären Systems zu tun, das Vielfaches der Reihe 1, 2, 4, 8, 16, 32 usw. verwendet. Die kleinste Einheit ist ein Bit (binary digit), acht Bit machen ein Byte aus. Die Verwirrung entsteht aus der Verwendung von "Kilo" (tausend), "Mega" (eine Million) und "Giga" (eine Milliarde), mit der das binäre System auf das leichter zu rechnende Dezimalsystem angepasst wird, eigentlich eine Schlampigkeit. Ein Kilobyte sind genau genommen 1024 Byte, ein Megabyte sind 1024 Kilobyte (also 1,048.576 Byte) - der Einfachheit halber an 1000 angepasst.

Genug Mathematik. Obwohl Mathematik auch hinter meinem Thema diesmal steckt: Networking mithilfe von Onlineangeboten. Diese beruhen auf einer Art Pop-Soziologie, den "Six Degrees of Separation". Damit wird die These aufgestellt, dass zwei x-beliebige Menschen auf diesem Planeten "über maximal sechs Ecken" (Bekannte von Bekannten) miteinander verbunden sind.

Die Herstellung solcher Verbindungen ist die Quintessenz jedes Netzwerks: Ich kenne zwar nicht die Person, die ich für ein Projekt gewinnen will, aber ich habe einen Freund, der einen Freund hat, der meinen Projektpartner kennt - voilà. Auf dieser Basis haben sich Websites etabliert, die genau das tun: neue Kontakte über alte Kontakte herzustellen.

"Open Business Club" (www.openBC.com) ist ein europäischer Anbieter dieser Form von Online-Networking-Tools, es lohnt sich, die Site auszuprobieren, wenn man (berufliche) Kontakte suchen und pflegen will. Das Prinzip ist einfach: Man registriert sich (in der Basisversion gratis, eine Premium-Mitgliedschaft um 5,95 /Monat bietet erweiterte Funktionen), legt ein Profil an und sucht nach interessanten Menschen. Wie das geht? Über den beruflichen Hintergrund und die Interessen, die Benutzer über sich bekannt geben; dabei gibt es unter anderem "Ich biete" und "Ich suche". Und wie bei realem Networking funktioniert es durch den "Freund des Freunds", also die Kontakte der Kontakte die man selbst kennt; eine Art soziale Empfehlung ist, wenn man z. B. für ein Projekt Partner sucht. Was man von sich preisgeben will, steuert jeder selbst - inklusive der eigenen Adresse; Kontakte finden ausschließlich über die openBC-Plattform statt, ohne dass man die eigene E-Mail-Adresse oder Telefonnummer preisgibt.

Wie "richtiges" ist auch virtuelles Networking zeitaufwändig: Nur durch Pflege der Kontakte, Teilnahme an virtuellen Meetings (Foren zu Themen) etc. kann man erwarten, neue Kontakte zu knüpfen, die dann auch beruflichen Niederschlag finden. Der Vorteil: Dank Internet reichen sie weit über das eigene Umfeld hinaus. (Helmut Spudich/ Der Standard, Printausgabe, 19./20. 3. 2005)

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