Schmieriges Geschäft

9. Mai 2005, 14:25
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Die Nervosität am Ölmarkt hat mit den geringen Förderreserven zu tun

Auf den Ölmärkten liegen die Nerven blank: Jeder Huster, der auch nur entfernt etwas mit dem schwarzen Gold zu tun hat, wird von der internationalen Ölgemeinde aufmerksam registriert und hält die Preisspirale in Gang. Die Preise kennen derzeit nur eine Richtung: die nach oben.

Die Nervosität am Markt hat mit den geringen Förderreserven zu tun. Der Puffer an sofort produzierbarem Öl hat sich in den vergangenen Jahren von gut fünf Millionen Fass (159 Liter) am Tag auf weniger als die Hälfte reduziert. Damit steigt die Angst der Händler, bei kurzfristig auftretenden Lieferengpässen ebenso plötzlich ohne Öl dazustehen. Und das ist Öl ins Feuer der Preisspekulanten. Ein wahrlich schmieriges Geschäft.

Nun rächt sich, was viele in Zeiten billigen Öls gefreut hat: Weil sich bei Preisen um die zehn Dollar je Fass, wie wir sie in den Neunzigerjahren gesehen haben, Investitionen in neue Förderprojekte kaum lohnten, haben sich die internationalen Mineralölkonzerne entsprechend zurückgenommen. Inzwischen ist der Öldurst aber dermaßen stark gestiegen, dass die bestehenden Ölfelder trotz des Einsatzes modernster Fördertechnik den vor allem aus China und Indien stammenden Mehrbedarf kaum mehr schaffen. Neue Ölfelder müssten erschlossen werden, was zum Teil auch geschieht. Denn die höheren Ölpreise versprechen auch bessere Renditen. Doch bis neues Öl sprudelt, vergehen in der Regel vier bis fünf Jahre.

Dass sich Indien und China in Europa nicht nur mit Öl, sondern auch mit Benzin und Diesel eindecken, sollte uns freilich nicht nur beunruhigen, sondern eher freuen. Denn zwar treibt dies den Preis an der Zapfsäule, in einer globalisierten Welt kann es aber nur im Interesse aller sein, wenn auch aus asiatischen Auspuffen weniger Dreck geschleudert wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.03.2005)

Von Günther Strobl
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