Die Frauenfalle

12. Juli 2005, 15:33
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Die Frau - gefangen zwischen "Glasdecke" und unterschiedlichen Glücksvorstellungen - Kolumne von Antonella Mei-Pochtler

Frauen können einen leicht zu Fall bringen: Dem Boeing-Chef Harry Stonecipher wurde die Affäre mit einer Managerin zum Verhängnis; Harvard-Präsident Larry Summers geriet in die Kritik, als er den geringen Frauenanteil in den "hard sciences" auf die Differenz in den Denkprozessen zurückführte. Und der Kreativitätsexperte Luc de Brabandere hatte Ärger mit seinem Verlag, weil er in seinem Buch die Frage stellte, warum es in der Philosophie (fast) keine Frauen gibt? Ein Tabuthema.

Die Frau - gefangen zwischen "Glasdecke" und unterschiedlichen Glücksvorstellungen: Viele qualifizierte Frauen steigen aus der Karriere aus, um mehr Zeit für Familie und Kinder zu haben - eine (lebens-)kluge Entscheidung, folgt man dem Ökonomen Richard Layard: Demnach sind Bindungen die Hauptquelle des persönlichen Glücks; allerdings knapp gefolgt von Selbstbestimmung und Gerechtigkeitsempfinden.

Und da sieht es bei bis zu 30 Prozent Einkommensunterschied nicht gut aus. Der Verlust für die Unternehmen ist hoch: Ihnen fehlen nicht nur die weiblichen "Talente", sondern auch die zunehmend wichtigen Kommunikations- und Netzwerkfähigkeiten der Frauen. Der Verlust wäre für die Gesellschaft kaum geringer, wenn der Preis weniger Kinder und weniger harmonische Familien wäre. So einfach ist es aber nicht:

1. Realistische Ziele formulieren: Auf die Frage nach der idealen Lebensform favorisieren 40 Prozent der Österreicherinnen die Mutter- und Hausfrauenrolle, nur ein Drittel findet die Karriere erstrebenswert; mehr als die Hälfte wünscht sich eine Teilzeitbeschäftigung. Kein Wunder, dass der Frauenanteil im Top-Management in Österreich bei nur 2,9 Prozent liegt - dafür stellen sie nach der Wirtschaftskammer-Studie 34 Prozent bei den Unternehmerinnen.

Frauen bewegen viel in der Wirtschaft - und auch in der Wissenschaft. Sie stellen den Löwenanteil der Top-Performer in vielen Studiengängen, auch wenn sie sich bevorzugt für Fächer wie Medizin, Jura und Geisteswissenschaften interessieren. Realistische Ziele können wir von Frankreich lernen: Dort arbeiten 72 Prozent aller Mütter von zwei Kindern und der Anteil an den Führungskräften liegt bei 20 Prozent.

2. Sinnvolle Rollenmodelle entwickeln: Vom begrenzten Rollenvorrat - Heimchen oder Karrierezicke - zum Superwoman-Syndrom: Schön wie Heidi Klum, erfolgreich wie (vormals) Carly Fiorina und fürsorglich wie Mutter Teresa, werden Frauen heute mit unerfüllbaren Idealen konfrontiert.

Daneben erlebt die Verführerin eine Renaissance, vor allem bei jungen Mädchen: Fünftklässlerinnen, die bauchfrei wie Britney ihren Stringtanga vorführen, haben Schulleiter zu Abwehrmethoden veranlasst. Dieser Schönheitsdruck ist beim Erwachsenwerden wenig förderlich. Dabei ist die Zufriedenheit bei Managerinnen hoch: 78 Prozent bekennen sich zur "Lust an der Macht", nur zehn Prozent fühlen sich überlastet.

3. Mut zum Unterschied: Ob unterschiedliche Gene, Gehirne oder einfach Interessen - viel deutet darauf hin, dass man Unterschiedlichkeit nicht nur akzeptieren, sondern nutzen sollte, wie jüngste neurobiologische Studien ergeben: So kann das stärkere räumliche Vorstellungsvermögen der Buben mit der verbalen Übersetzungsfähigkeit der Mädchen gemeinsam zu besseren Problemlösungen führen. Einige Unternehmen haben die Kraft gemischter Teams erkannt und Förderprogramme lanciert.

Aus der "Frauenfalle" gibt es also ein Entkommen. Gleiche Ausbildungschancen sind die Basis, Karriere ist aber nur eines der Ziele. Florian Langenscheidt hat bei der Vorstellung seines Buches über Glück, Liebe und Freundschaft darauf hingewiesen, wie wichtig es wäre, wenn Frauen mehr Einfluss in der Gesellschaft hätten - weil sie ihr so zu mehr Glück verhelfen könnten.

Ein Grund mehr, um aus der Frauenfalle auszubrechen.

Dr. Antonella Mei-Pochtler ist Senior Partnerin von The Boston Consulting Group (BCG) und Leiterin des Wiener Büros. kolumne.at@bcg.com
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