Architektonisches "FeuerWerk" im Zillertal

18. März 2005, 19:20
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Erlebnisweg durchs Biomassekraftwerk - 12.000 Lkw-Fahrten jährlich eingespart

Fügen - "Der Widerstand gegen unsere Kraftwerkspläne hat sich gelohnt", erklärt Hans Binder, dessen Biomassekraftwerk am Stammsitz von Holz Binder in Fügen am Freitag von Umweltminister Josef Pröll eröffnet wurde. Vor zwei Jahren hatten sich 60 Prozent der Fügener bei einer Volksbefragung gegen das Projekt ausgesprochen.

Im Zuge einer Neuplanung ging Architekt Helmut Reitter aus einem Wettbewerb als Sieger hervor. Reitters Bau ist ein markantes architektonisches Zeichen und versteckt nichts von seinem Zweck. Weil die Höhe des Kesselhauses gegenüber den ursprünglichen Plänen deutlich reduziert wurde, fügt sich das klar gegliederte Bauwerk nun gut mitten im Talgrund des Zillertales ein.

Entstanden ist nun deutlich mehr als ein Biomassekraftwerk, das die vor Ort anfallenden Holzabfälle in Fernwärme und Strom verwandelt. "FeuerWerk - Das Erlebnis Holz" ist ein Erlebnisweg, der nicht nur die Energieproduktion aus Biomasse, sondern das Thema Holz auf unterschiedlichen Vermittlungswegen Einheimischen und Touristen näher bringen will und von Hannes Senfter, Hans Augustin und Lois Hechenblaikner gestaltet worden ist. Binder erwartet 30.000 Besucher jährlich.

Zusätzlich hat Reitter oberhalb der Pelletsproduktion in 16 Meter Höhe eine Konstruktion aus Holz und Glas geschaffen. Die "SichtBar", Seminar- und Ausstellungsräume signalisieren eine Öffnung der Fabrik und gewähren eindrucksvolle Ausblicke in die Zillertaler Bergwelt.

Binder hat ins FeuerWerk 31 Millionen Euro investiert, das diesen Winter bereits knapp die Hälfte der 1200 Fügener Haushalte mit Fernwärme versorgt hat. Im Jahresmittel wird ein Drittel der Energie als elektrischer Strom produziert und ins öffentliche Netz eingespeist. Zusätzlich produziert das Werk nun 45.000 Tonnen Pellets und Holzbriketts. Weil Hackschnitzel und Sägespäne nun nicht mehr abtransportiert werden müssen, entfallen 12.000 Lkw-Transporte. Die Ökobilanz der Anlage fällt auch deshalb positiv aus, weil die Verbrennungsanlage mit hoch wirksamen Filtern ausgestattet worden ist.

Das 1957 gegründete Unternehmen beschäftigt an vier Standorten 800 Mitarbeiter. Das stark exportorientierte Unternehmen hat in vergangenen Jahr seinen Umsatz um 8,5 Prozent auf 258 Millionen Euro erhöht. (hs, Der Standard, Printausgabe, 19./20. 3. 2005)

  • Im roten Gebäudeteil werden Holzabfälle verbrannt, 
im schwarzen Strom produziert. Die Holz-Glas- 
Konstruktion beherbergt Bar, Seminarraum und Ausstellungsflächen.
    foto: schlosser

    Im roten Gebäudeteil werden Holzabfälle verbrannt, im schwarzen Strom produziert. Die Holz-Glas- Konstruktion beherbergt Bar, Seminarraum und Ausstellungsflächen.

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