Finnland: Nur die Besten kommen durch

23. März 2006, 13:07
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Alle Lehrer werden an Universitäten ausgebildet - Strenge Auswahlverfahren mit Wissenstests, Aufnahmegespräch und Gruppendiskussion

Eines der Geheimnisse des finnischen Erfolgs bei der internationalen Bildungs-Vergleichsstudie PISA liegt nach Ansicht der Bildungs-Verantwortlichen in der Ausbildung der Lehrer. Sowohl die Pädagogen für die Gesamtschulen als auch jene an den höheren Schulen werden ausschließlich an Universitäten ausgebildet, wissenschaftliches Arbeiten und das Verfassen einer Art Diplomarbeit sind Pflicht. Selbst die Vorschullehrer sind mit einem Bachelor-Titel einer Universität oder Fachhochschule ausgestattet. Der Weg zum Lehrer ist aber verhältnismäßig weit.

Nur die Besten

An der Universität Helsinki bewerben sich etwa jedes Jahr rund 700 Studenten für eine Ausbildung als Klassenlehrer - diese unterrichten die ersten sechs Jahrgänge in den neunstufigen Gesamtschulen. Von diesen werden nur 300 nach einem ersten Auswahlverfahren zu einem weiteren Test geladen, so der für die Lehrer-Ausbildung an der Universität Helsinki verantwortliche Professor Matti Meri bei einem Kongress zum Thema "Finnland bei PISA-Die Gründe hinter den Ergebnissen" in Helsinki. In diesem ersten Selektionsprozess werden die Maturanoten, etwaige bereits absolvierte Universitätsstudien und Arbeitserfahrungen an Schulen (etwa als Lehr-Assistent) berücksichtigt.

Sieben zu eins

Diese 300 Kandidaten stellen sich dann einem weiteren dreistufigen Verfahren, das einen Test über vorgegebene Literatur, ein Aufnahmegespräch und eine Gruppendiskussion umfasst. Übrig bleiben nach einem Ranking dann 100 Studenten, die die eigentliche Ausbildung in Angriff nehmen dürfen. Damit beträgt das Verhältnis zwischen Bewerbern und Aufgenommenen sieben zu eins - laut Meri sei man damit im finnischen Durchschnitt. Wenn sich vorübergehend ein Lehrer-Engpass abzeichnet, stellt das Ministerium Geld für zusätzliche Plätze zur Verfügung. Die Ausbildung schließt mit einem "Master of Education" ab und umfasst auch die Ausbildung in sämtlichen an den Schulen angebotenen Fächern.

Unausgewogenes Verhältnis

Die überwiegende Mehrzahl der Bewerber ist übrigens weiblich: Der Männeranteil liegt bei nur 15 Prozent. Etwa besser sieht es bei den aufgenommenen Kandidaten aus - von ihnen sind immerhin 17 bis 20 Prozent männlich. Eine weiter gehende positive Diskriminierung zu Gunsten der Männer sei für illegal erklärt worden, bedauerte Meri. Es sei nicht gut, wenn das Geschlechterverhältnis bei den Lehrern so unausgewogen sei. (APA)

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