Bier für Kinder kein Problem

19. März 2005, 21:08
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Testkäufe zeigen: Jugendschutz wird kaum exekutiert - Jeder dritte 15-Jährige trinkt regelmäßig Alkohol

Salzburg - Das Einstiegsalter in die Droge Alkohol liegt bei österreichischen Jugendlichen durchschnittlich bei 11,9 Jahren. Laut einer 2004 veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) greifen nur die Tschechen früher das erste Mal zur Flasche.

Bei unseren Nachbarn wird schon ab 11,4 Jahren mit dem Trinken begonnen. Jeder dritte Österreicher im Alter von 15 Jahren konsumiert schon regelmäßig Alkohol. Und: Bei den 15- bis 19-Jährigen hat der Alkoholkonsum laut einer Untersuchung des Linzer Institutes für Suchtprävention im vergangenen Jahrzehnt um 150 Prozent zugenommen.

"Punktesaufen

Nicht immer sind die Folgen des "Anblasens und Festplattenlöschens" so harmlos wie nach dem "Punktesaufen" der Jungen ÖVP in der kleinen Salzburger Gemeinde St. Kolomann zum Jahresende 2004. Die jungen Schwarzen müssen nun geschlossen bei Landesrätin Doraja Eberle (VP) zu einem Vortrag über "Suchtprävention" antanzen.

Ganz anders das Bild an der Salzburger Lokalmeile am Rudolfskai: Hier wurde die Exekutive der regelmäßig ausufernden Gewalt sturzbesoffener Jugendlicher nur mithilfe permanenter Videoüberwachung und massiver Polizeipräsenz einigermaßen Herr.

Kavaliersdelikt

Salzburgs SP-Landtagsklubobmann David Brenner glaubt eine der Ursachen für den allzu frühen Rausch zu kennen: "Der Verkauf von Alkohol an Kids wird immer noch als Kavaliersdelikt gesehen." Brenner lässt in einer österreichweit einzigartigen Testserie seit fünf Jahren regelmäßig Kinder und Jugendliche in Salzburg zum Probekauf antreten. Die Ergebnisse sind Besorgnis erregend: Bier für Zwölfjährige? Kein Problem. Wodka ab 15? Gerne.

Bei insgesamt 78 Testkäufen von Jugendlichen zwischen zwölf und 17 wurde heuer 54-mal gegen den Jugendschutz verstoßen, also Alkohol jeder Form an unter 16-Jährige beziehungsweise auch Spirituosen an unter 18-Jährige verkauft. Am einfachsten kommen die Minderjährigen an Tankstellen zu Stoff: 21 von 24 überprüften Tankstellen stellten Alkoholisches zur Verfügung.

"Das Bewusstsein bei den Unternehmen ändert sich nur langsam", berichtet Brenner. Bei der ersten Testreihe vor fünf Jahren hätten die Kids noch in neun von zehn Fällen Alkohol bekommen, 2005 bei sieben von zehn Versuchen. Der Rückgang sei vor allem auf Ermahnungen beziehungsweise Strafanzeigen zurückzuführen. Nach den Probekäufen heuer werden jetzt 24 Betriebe in Salzburg nach dem Jugendschutzgesetz angezeigt; Strafdrohung 3633 Euro.

Schärfere Bestimmungen wie die von EU-Verbraucherschutzkommissar Markos Kyprianou geforderte generelle Anhebung der Altersgrenze für Alkoholgenuss auf 18 lehnt Brenner allerdings ab. Er fordert, dass die Länderbehörden nach dem Vorbild der Salzburger SPÖ mit Testkäufen beginnen und die Einhaltung bestehender Gesetze überwachen. (neu, DER STANDARD Printausgabe, 18.03.2005)

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