Asfinag wird doch Richter brauchen

22. März 2005, 14:27
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Trennung von der italienischen Autostrade geht nicht freundschaftlich - Schulden steigen heuer auf neun Milliarden

Wien - So amikal, wie sich die Asfinag das vorgestellt hat, geht die Trennung von der italienischen Autostrade doch nicht vonstatten. Bei den anwältlichen Verhandlungen über den Firmenwert der Lkw-Mautabwicklungsgesellschaft Europpass spieße es sich gewaltig, sagen Insider.

Autostrade verlangt demnach deutlich mehr als die von der Asfinag gebotenen rund 200 Millionen Euro, dem Vernehmen nach 230 bis 250 Millionen. Dass die Causa am 4. April bei Gericht landen wird, glaubt Asfinag-Finanzvorstand Christian Trattner trotzdem nicht. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass im April die Preisvorstellungen klar sind."

Den Kauf des 2002 gegründeten Mautinkassanten rechtfertigte die Asfinag Mittwochabend erneut mit Einsparungen, die derzeit aufgrund von Überschneidungen mit der für die Sondermauten zuständigen Asfinag Maut-Service GmbH bestünden. Insidern zufolge soll sich allein die Finanzierung um "zehn bis 15 Mio. Euro" verbilligen.

Der Rückkauf selbst dürfte - wie 95 Prozent des Asfinag-Geschäfts - fremdfinanziert werden, was bei 8,5 Milliarden Euro Schulden nicht mehr ins Gewicht fällt. Bis 2012 wird der primär über Anleihen finanzierte Fremdmittelanteil zwölf Milliarden Euro betragen. Diese Schätzung werde halten - trotz diverser Autobahnen und Tunnels unter bzw. Brücken über die Donau, versichert Asfinag-Vorstand Franz Lückler. 2004 habe man das Eigenkapital trotz Bauoffensive auf über fünf Prozent gesteigert.

Verbaut werden heuer 1,5 Mrd. Euro. Darunter Ost-Anbindungen wie die Spange Kittsee (A6) und Richtung Wullowitz (S10) - und natürlich der so genannte "Regionenring": Die 70 fehlenden Kilometer dieser Autobahnellipse rund um Wien (bis Krems und St. Pölten) sollen 2014 fertig sein (siehe Grafik) und werden 2,86 Mrd. Euro kosten. Zuzüglich der jüngst zwischen Stadt Wien und Bund fixierten Verbindung A22-A4 (samt Donautunnel) sind geschätzte 3,2 bis 3,5 Mrd. Euro aufzubringen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.3.2005)

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