Seit 20 Jahren gibt es AIDS-Tests

23. März 2005, 12:13
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Heute bereits Tests der vierten Generation: "Diagnostisches Fenster" von sechs bis zwölf Wochen auf 17 Tage reduziert - Trotzdem wird auch heute HIV oft erst spät erkannt

Wien - Das war ein entscheidender erster Fortschritt in der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids: Vor genau 20 Jahren wurde der erste HIV-Test kommerziell zugelassen. War es am Anfang noch ein Erst-Generationstest (HIV 1 Viruslysat), so steht heute 20 Jahre später bereits der vierte Generationstest, der so genannte Kombinationstest, zur Verfügung. Das "diagnostische Fenster" - also die Zeit einer Infektion bis zur Möglichkeit, sie im Blut nachzuweisen - konnte so von ehemals sechs bis zwölf Wochen auf nur noch 17 Tage reduziert werden. Doch noch immer wird ein Teil der HIV-Infektionen in Österreich spät erkannt.

Immer noch keine offizielle Empfehlung für Einsatz des Kombinationstests

In Österreich gibt es derzeit noch keine offizielle Empfehlung für den österreichweiten Einsatz des Kombinationstests. Deshalb gibt es immer noch Einzelfälle, bei denen eine akute HIV Infektion unerkannt bleibt. Das kann für den Betroffenen verheerende Folgen haben: Fordert der Patient bei unspezifischen Symptomen oder nach einem "Risikokontakt" bei einem Praktiker einen HIV-Test an, der das Blut in ein Labor sendet, welches nur einen reinen Antikörper-Test durchführt, kann das Ergebnis negativ sein. Die Möglichkeit, dass der Patient sich zu früh in Sicherheit wiegt, ist gegeben.

Erst drei Monate nach der HIV-Infektion geben die reinen Antikörpertests mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit das richtige Ergebnis an. Bei den Kombitests können Antikörper gegen HIV sowie Virusbestandteile (Antigene) nachgewiesen werden. Das lange "diagnostische Fenster" bei den reinen Antikörpertests ist für einen frühest möglichen Therapiebeginn hinderlich. Gerade bei sexuell aktiven Patienten kann es so gegebenenfalls zu einer Verbreitung des HI-Virus kommen, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung des Pharma- und Diagnostika-Konzerns Abbott.

Die Wiener Virologin Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl betonte die Wichtigkeit der Frühdiagnose: "Nur 27 Prozent aller HIV-Infektionen wurden 2004 innerhalb der ersten sechs Monate nach Infektion diagnostiziert." In vergleichbaren anderen Ländern wie in den skandinavischen wurde generell auf den Kombinationstest umgestiegen.

Je früher Gewissheit besteht, umso besser

Ziel ist es, nach einem Risikokontakt möglichst früh Gewissheit über den HIV-Status zu haben. Daher sollte von vornhinein ausschließlich der kombinierte Antikörper- und Antigentest durchgeführt werden. Sinnvoll wäre es auch, diesen Test im stationären Spitalsbereich bei allen Indikationen anzuwenden, um eine HIV-Infektion eventuell ausschließen zu können.

Dazu der Aids-Spezialist Dr. Armin Rieger vom AKH Wien, auch Vorstandsmitglied der Österreichischen AIDS-Gesellschaft: "In Anbetracht der steigenden Zahl der jährlich neu-diagnostizierten HIV Infektionen und der Tatsache, dass ein Drittel der Patienten erst im fortgeschrittenen Stadium an einem HIV Kompetenz-Zentrum vorstellig wird, kommt dem HIV-Kombinationstest ein ganz besonderer Stellenwert zu. (...) Abgesehen von einem möglichen individuellen gesundheitlichen Schaden für den Betroffenen, kann so jahrelang eine HIV-Infektion unwissend weiter verbreitet werden."

Paradoxe Stigmatisierung

Trotz jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit werden Aids-Kranke und HIV-Infizierte in unserer Gesellschaft noch immer stigmatisiert, diskriminiert und ausgegrenzt. Aus Angst vor den Reaktionen der anderen oder vom Partner verlassen zu werden, scheuen HIV-Infizierte immer wieder davor zurück, ihren Sero-Status feststellen zu lassen. Rieger: "Paradoxerweise werden in unserer Gesellschaft Personen mit diagnostizierter HIV-Infektion gemieden und stigmatisiert, dabei ist doch die unerkannte HIV Infektion das Bedrohliche ..." (APA)

  • Der HI-Virus in einer lebenden Zelle.
    foto: aids hilfe wien

    Der HI-Virus in einer lebenden Zelle.

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