Leitl festigt Hausmacht

4. Juli 2005, 16:44
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ÖVP baut absolute Mehrheit aus - Sozialdemokraten verdrängen Freiheitliche von Platz zwei - Grüner Achtungserfolg

Wien - Rund 344.000 österreichische Unternehmen wählten in den letzten Tagen ihre gesetzliche Interessenvertretung. Aufgrund eines äußerst komplizierten Wahlrechts wird es noch bis zum 23. Juni dauern, bis das höchste Organ der bundesweiten Kammerorganisation, das "Wirtschaftsparlament", den Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und seine Stellvertreter kürt.

Freilich steht das Ergebnis schon jetzt fest: Keine der mit dem VP-Wirtschaftsbund konkurrierenden Gruppierungen konnte Kammerpräsident Christoph Leitl gefährlich werden. Leitls zentrales Wahlziel, der Erhalt aller neun Landeskammerpräsidenten, ist erreicht.

Er baute die absolute Mehrheit von 68 Prozent der Stimmen aus dem Jahr 2000 sogar um 2,4 Prozentpunkte auf nunmehr 70,4 Prozent aus. Vor allem die Verluste des Ringes freiheitlicher Wirtschaftstreibender - auch in Kärnten - prägten diese Wirtschaftskammerwahl.

Freiheitliche halbiert

Der Stimmenanteil der Freiheitlichen halbierte sich von 19,6 Prozent auf 9,9 Prozent. Die stärksten Zugewinne konnte der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) mit seinem neuen Spitzenkandidaten SP-Budgetsprecher Christoph Matznetter verbuchen. Er erreichte mit 13 Prozent (2000: 9,8 Prozent) nicht nur das historisch beste Ergebnis für den SWV, sondern verdrängte auch die Freiheitlichen von Rang zwei in der Wirtschaftskammer.

Die Grüne Wirtschaft erreichte bei ihrem ersten bundesweiten Antritt 4,5 Prozent, was über den Erwartungen liegt. Mit Ausnahme des Burgenlandes sind die Grünen nun in allen Wirtschaftsparlamenten der Länder vertreten.

Leitl: "Klarer Folgeauftrag"

Leitl sprach von einem "klaren Folgeauftrag". Er hat im Wahlkampf diverse, weit über die Steuerreform hinausgehende Forderungen zur Entlastung von Klein- und Mittelbetrieben aufgestellt. Gefährdet war die VP-Dominanz nur in Wien und Kärnten. (siehe Geschichte Seite 18).

In beiden Bundesländern verteidigte der Wirtschaftsbund aber die Absolute. Die Wahlbeteiligung ist um 5,5 Prozentpunkte auf unter 50 Prozent deutlich gesunken. Sie betrug 48 Prozent, nach 53,5 Prozent im Jahr 2000. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.03.2005)

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