Daft Punk: Auch Roboter können rostig werden

17. März 2005, 20:39
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"Human After All": Für kommerzielle Erfolge abseits der Tanzflächen etwas wenig

1997 veröffentlichten Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo mit ihrem Debüt Homework eines der bis heute in seiner minimalistischen Konsequenz einflussreichsten Alben in der Geschichte computergenerierter Popmusik. Das Pariser Roboter-Duo verlor sich im Anschluss mit Discovery und seiner an französische Zeichentrickserien wie Michel Vaillant aus den 70er-Jahren angelehnten (Klang-)Ästhetik ein wenig im geschmäcklerisch Beliebigen.

Insofern ist mit der neuen CD und der ersten ausgekoppelten Single Robot Rock zwar eine Rückkehr zu den Anfängen zu verzeichnen. Ein bis zwei gar nicht wahnsinnig aufregende Ideen pro Stück und Track endlos zu Tode zu loopen dürfte aber für kommerzielle Erfolge abseits der Tanzflächen etwas wenig sein. Ganz schlimm in diesem Zusammenhang, die Electro-Ballade Make Love. Die klingt wie das endlos wiederholte Intro einer Nummer von Richard Clayderman, dem Hansi Hinterseer der radikal-kitschigen Klaviermusik, wenn dieser auch mit einer vorsintflutlichen Drumbox arbeiten würde.

Konterkariert wird das Ganze von Metal-Diskont-Riffs in Stücken wie The Brainwasher. Nur dass hier statt Gitarren mit quäkenden Synthesizern gegen den Hörer vorgegangen wird. Und wer sich 2005 platte Einsichten wie "Television rules the nation" abringt, dem sollte man zwischendurch doch auch einmal ein gutes Buch zu lesen geben. (schach/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 3. 2005)

Daft Punk: "Human After All" (Virgin/EMI)
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    coverfoto: virgin/emi
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