Das große Wettkochen

26. Juli 2005, 11:33
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Beim Kochwettbewerb "Bocuse d'Or" zu gewinnen ist als Nichtfranzose schwer. Thomas Dorfer schaffte es sozusagen fast

Am Abend vor der Entscheidung war von einem dänischen Journalisten zu vernehmen, dass es schon sehr komisch zugehen müsste, wenn da nicht der Däne gewinnen würde, schließlich hätte sein Heimatland den Bewerb ja ausreichend gesponsert. Ja, man könnte sagen, dass der Kochwettbewerb "Bocuse d'Or", der seit 1987 alle zwei Jahre während der Gastronomiemesse in Lyon stattfindet, nicht den Ruf unbedingter Fairness besitzt.

Es könnten dort nur entweder Franzosen oder Skandinavier gewinnen, heißt es, die Franzosen deshalb, weil Lyon in Frankreich liegt und weil Paul Bocuse - Kochlegende, Erfinder und Namensgeber des Wettkochens - halt auch Franzose ist; und die Skandinavier wiederum, weil ein Gewinn beim "Bocuse d'Or" in den skandinavischen Ländern einen ungeheuer hohen Stellenwert besitzt, weil teilnehmende Köche entsprechend intensiv üben und weil die Nahrungsmittelindustrie der skandinavischen Länder am französischen Markt sehr interessiert sei und sich entsprechend "engagieren" würde, sagt man. Bis auf Lea Linster aus Luxemburg erhielten den "Gold Bocuse" bisher jedenfalls nur Franzosen, Norweger und Schweden.

Was aber nicht verhindert, dass es die anderen vertretenen Nationen (insgesamt 24) nicht immer wieder versuchen würden und dass dieses Wettkochen nicht immer mehr sportliche Länderspiel-Atmosphäre aufweisen würde: "Die Schweizer haben Alphörner mit", so ein österreichischer Fan auf dem Weg zur Tribüne, "da müssen wir uns ordentlich reinhauen."

Österreichs Teilnehmer heißt Thomas Dorfer

... ist 29 Jahre alt und arbeitet als Souschef im Landhaus Bacher in Mautern, der Schlachtenbummler-Bus startete ebenfalls von dort. Dabei gibt es wirklich Spannenderes, als zwölf Köchen in Kobeln bei der Zubereitung von Speisen zuzusehen - die aus vorgegebenen Zutaten hergestellt werden müssen, diesmal je ein riesig großer Seeteufel aus Island sowie ein ganzer Kalbsrücken aus Dänemark. Was die Köche dann daraus machen, welches Equipment und begleitende Zutaten sie dafür benötigen, bleibt ihnen überlassen. Was etwa dazu führte, dass das amerikanische Team heuer mit einem enormen technischen Aufwand an Wärmelampen und wärmendem Servierwagen beeindruckte, der Australier lebende Krebse mitbrachte und das isländische Team mit seinen etwa zwanzig Kochstellen die Sicherungen zum Platzen brachte.

Das, was beim "Bocuse d'Or" da so zubereitet wird, hat mit "normalem" Essen übrigens relativ wenig zu tun: Auf riesigen, silbernen Platten werden bunte, kleine Pralinees aus den Grundzutaten gebastelt, Türmchen gebaut, kleine Sockel bestückt, verziert, dass es nur so raucht. Und apropos Rauch: Serge Vieira aus Frankreich räucherte den Seeteufel über Rebholz direkt auf dem Servierwagen vor den Augen der Jury. Er gewann.

Thomas Dorfer gewann auch irgendwie: Er wurde Sechster, also Bester nach dem Franzosen und den fünf Skandinaviern. "Thomas war vielleicht ein bisserl zu brav, aber er hat das Beste gegeben", sagt Rudi Obauer, der österreichische Präsident des Bocuse-d'Or-Komitees. Die Erdäpfelnudeln hätten nicht so gehalten, sagt Dorfer, dank einer von den Engländern ausgeborgten Mikrowelle ging's dann aber eh. Er selbst hätte seine Gerichte schon auf Geschmack ausgelegt, nicht so wie andere, die mehr der Optik den Vorzug gaben, "aber sonst würde ich so etwas eher nicht kochen".
(Florian Holzer/Der Standard/rondo/18/03/2005)

  • Bocuse d'Or: Thomas Dorfer vertrat Österreich beim großen Wettkochen in Lyon und wurde guter Sechster.
    foto: florian holzer

    Bocuse d'Or: Thomas Dorfer vertrat Österreich beim großen Wettkochen in Lyon und wurde guter Sechster.

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