Die vier Muskatiere

23. Jänner 2007, 14:33
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Mit "Graf Hunyady" verbindet man nicht unbedingt ein Restaurant. Das könnte sich ändern

Punkt eins: Werner Salansky, Unternehmer und Honorarkonsul von Djibuti, hat die Küche von Bernhard Rieder immer schon sehr geschätzt. Schon in der "Eselmühl" in St. Margarethen (wo er mit 21 Jahren eine Haube erkochte), dann im "Inamera" in Rust, später im "Taubenkobel" und zuletzt im "Perkeo", einem kleinen Edelrestaurant in Salzburg.

Punkt zwei: Alexander Kibler übernahm im Jänner 2004 das "Perkeo". Er holte sich Bernhard Rieder aus dem "Hangar 7" Dietrich Mateschitz', man kochte ein knappes Jahr lang eine bemerkenswerte Performance, dann wären aber Umbauten und Adaptionen in so großem Umfang notwendig geworden, die das Lokal nie wieder hereingebracht hätte.

Punkt drei: Werner Salansky suchte ein Lokal in Wien, sah sich unter anderem auch das bisher eher unbedeutende Restaurant in der Tribüne der Krieau namens "Graf Hunyady" an. Und weil ihm im "Perkeo" so gut gefiel, wie man dort eine Ente nicht nur brät, sondern auch flambiert und vor allem auch fachmännisch zerlegt, holte er sich gleich sowohl Bernhard Rieder als auch Alexander Kibler ins Team.

Punkt vier: Der "Graf Hunyady" erwies sich als ziemlich groß: drei Etagen, diverse SB-Restaurants und Logen, ein Kaffeehaus, ein Restaurant und vor allem ein doch recht großer Publikumszustrom an den Renntagen. 17.000 Besucher wurden bei einem "Hunyady-Gedenkrennen" schon einmal gezählt, mittlerweile sind es zwar nur mehr an die 2000, aber das ist auch nicht gerade wenig, wenn alle auf einmal etwas zu essen haben wollen.

Also holte man noch den Karl Zeisler, bei dem Bernhard Rieder in der "Eselmühl" seine ersten Sporen verdiente, und der mit dem Restaurant in den Stallungen des Palais Esterházy und beim Gastronomieprojekt im "Kaiserbahnhof" in Laxenburg einige Erfahrung mit Großprojekten in adaptierten Räumlichkeiten sammeln konnte. Die in der Krieau zweifellos auch nötig sind, denn das Areal ist nicht nur riesig, es erfreut sich auch einer etwas eigenwillig bürokratischen Verwaltung: Musik etwa wäre im Restaurant zwar zu bekommen, aber eben nur, wenn man darum bei der richtigen Stelle ansucht. Und mit Licht und Heizung sieht es ähnlich aus. Dennoch, "der Reiz der Sache war die einzigartige Location", erklärt Werner Salansky, die demnächst noch dazu mit der U-BahnLinie U2 auch einigermaßen direkt angesteuert werden kann.

Und dann die berühmte Enten-Show ...

Beim Restaurant wolle man kreativitätsmäßig an die Grenzen gehen, "wir steigern uns mit jedem Gang", schmunzelt Karl Zeisler. Dabei fängt Bernhard Rieder schon einmal recht heftig an: Traubenkernöl aus dem Burgenland und dazu Keks aus den Traubenkern-Pressrückständen - das hatte man noch nicht oft. Als Amuse-Gueule dann etwa eine nicht nur begeisternde Räucheraal-Rote-Rüben-Kren-Schwarzwälderkirsch-Torte, mehr als nur verblüffend auch der so genannte "Zitronenfisch", eine mehrere Tage lang in Zitrone entwässerte Bachforelle auf einer Art Filoteig-Lasagne mit Avocadocreme und Curry-Kraut (€ 10,90). Öha, denkt man sich da, so wurde mitten im Prater wahrscheinlich schon lange nicht mehr gekocht. Und dann die berühmte Enten-Show: zwei Gänge, zuerst Brust mit fantastischer Fülle samt Dörrweichseln, Ingwer, Mango und Zwiebel, "Plumpudding war die Idee", sagt Bernhard Rieder, dann die in der Sauce geschmorte Keule, auch sehr gut (€ 21,70).

Nicht nur der Prater, auch Wien gewinnt mit dem neuen "Graf Hunyady" eines der derzeit interessantesten Restaurants dazu. (Florian Holzer, DER STANDARD, rondo/18/03/2005)

Restaurant Graf Hunyady
Tribüne 1, Trabrennbahn Krieau
1020 Wien,
Tel.: 01 / 729 35 72
tägl. 11.30-14.30, 18-24 Uhr
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