Weiter auf Expansionskurs

20. März 2005, 20:35
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Eröffnung der Dorotheum-Repräsentanz in Mailand

Mailand - Das Internet war der zeitgemäße Vorbote, denn seit Mitte Jänner kommuniziert das Dorotheum über seine Homepage auch in Italienisch. In der Welt des Dinglichen eröffnete Geschäftsführer Martin Böhm am 15. März die Repräsentanz in Italien, im Herzen Mailands gelegen. Expandiert wird seit der Privatisierung 2001 ständig: beim Angebot, mit neuen oder wieder belebten Sparten, und mit der Zahl der Repräsentanzen. Nach Prag (1992) und Brüssel (1996) ist das Dorotheum seit 2003 auch in Düsseldorf, Würzburg und München vertreten. Mailand schließt die Lücke Richtung Süden.

Geleitet wird der neue Standort von Angelica Cicogna Mozzoni, ehemalige Repräsentantin des englischen Auktionshauses Philips in Mailand und PR-Verantwortliche von Finarte. Die studierte Möbelrestauratorin sieht ihre Aufgabe vor allem im Clientservice und hier in der Begleitung durch den Bürokratiedschungel. Denn Italien verfügt in Europa über die wohl härtesten Ausfuhrbestimmungen überhaupt. Mozzoni steht - neben Daniela Galeotti in Florenz - Mark MacDonnell zur Seite. Der Alte-Meister-Experte, zuletzt leitete er diese Departments bei Sotheby's und Philips, ist gleichzeitig die Vorhut. "Wir planen eine Aufstockung", so Martin Böhm, und meint die Sparten Möbel, Glas und Porzellan sowie Silber. Italien ist nach Deutschland das zweite Land, in dem sich das Dorotheum vor die Nase eines Partners der International Auctioneers (IA) setzt.

Hat sich die Idee dieser 1993 gegründeten Kooperation überholt? Martin Böhm verneint das. Bei den gemeinsam veranstalteten Auktionen ist das österreichische Auktionshaus seit Dezember 2002 nicht mehr dabei. Mit einer Verkaufsquote von 72 Prozent wurde Lempertz der Star des Modern-Art-Sales; das Dorotheum gab ein Objekt ab, und Finarte hatte die Auswahl überhaupt vergeblich zusammengetragen. Seit damals blieb der IA-Hammer für das Dorotheum stumm.

Genutzt wird diese Plattform nur mehr für Marketingmaßnahmen. Das Engagement wurde auf auf Schaltungen in dem von der IA publizierten Magazin und die Weiterleitung von Kaufaufträgen reduziert. An wechselseitigen Schaustellungen nimmt das Dorotheum nicht mehr teil. Termingründe nennt Böhm als Ursache. Es mag aber auch an den Expansionsschritten des Dorotheums liegen. Wozu soll man etwa im Partnerhaus Lempertz Ware präsentieren, wenn man dies in der eigenen Repräsentanz in Düsseldorf kann.

Zumindest für die Nichtbeteiligung an Auktionen führt Henrik Hanstein (Kunsthaus Lempertz), der gemeinsam mit der Galerie Koller (Zürich, Genf) und Artcurial (Paris) laufend sehr erfolgreiche Moderne Auktionen veranstaltet, einen weiteren Grund an: "Das Dorotheum konnte das Niveau nicht halten und die entsprechende Anzahl an Objekten einbringen, die die Mindestgrenze von 25.000 Euro überschreiten." Was IA-Partner Finarte zur Repräsentanz-Eröffnung in Mailand meint? "Finarte ist seit 1. Jänner draußen", lautet Hansteins knappe Antwort.

Auf der Partner-Homepage würde bald der neue IA-Partner aus Italien genannt. Im Gegensatz zum Dorotheum benötigt Lempertz keine weiteren Standorte. "Wir haben das Headoffice von Germanwings vor der Tür, da fliegen Kunden schon einmal für einen Tag nach Köln", so Hanstein - zum Taxitarif, wie der Werbeslogan verrät. (kron/DER STANDARD, Printausgabe, 17.03.2005)

  • Vorstoß in Richtung Süden: 
Dorotheum- 
Repräsentantin 
Angelica Cicogna Mozzoni und "ihr" Altmeister-Experte Mark MacDonnell.
    foto: dorotheum

    Vorstoß in Richtung Süden: Dorotheum- Repräsentantin Angelica Cicogna Mozzoni und "ihr" Altmeister-Experte Mark MacDonnell.

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