Weniger Verschreibungen

20. April 2005, 16:12
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Sozialversicherung: Eine Million chefärztliche Bewilligungen als Ziel - Mit Infografik

Wien - Eine Million statt fünf Millionen Verschreibungen jährlich - das ist das erklärte Ziel von Josef Probst, Geschäftsführer im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, bei der Reduktion von chefarztpflichtigen Medikamentenbewilligungen. Dieses Ziel gelte es mittels Verschreibung von günstigeren Medikamenten, also Generika, zu erreichen. Ganz aufgeben will man die chefärztliche Kontrolle nicht, da bis 2003 der Anteil der teuren Medikamente auf 19,8 Prozent gestiegen ist (siehe Grafik).

Probst selbst ist am Mittwoch neuerlich ins Schussfeld der Ärztekritik geraten. Er gehe mit Problemen auf eine Art und Weise um, die man nicht akzeptieren wolle, ärgerte sich Ärztekammerpräsident Reiner Brettenthaler ungewohnt heftig. Stichelnder Nachsatz: Probst solle sich im Hauptverband um anderes kümmern und von seiner Geschäftsführungsstelle versetzt werden.

Auf sachlicher Ebene stört den Ärztevertreter die große Anzahl bewilligungspflichtiger Medikamente im aktuellen Erstattungskodex. Schon die Chefarztpflicht "neu" funktioniere mehr oder weniger schlecht, daher solle auch das vom Hauptverband bereits für Juli 2005 vorgesehene automatische Bewilligungssystem erst später eingesetzt werden, forderte Brettenthaler.

Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, bemängelte die große Anzahl an Medikamenten, die mit dem neuen Heilmittelverzeichnis in der so genannten "No-Box", also bei den nicht bewilligten Medikamenten, gelandet sei. Dies bedürfe einer dringenden Überarbeitung, da viele Präparate für Patienten und Ärzte "unverzichtbar" seien und nun nicht mehr von der Kasse bezahlt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2005)

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