Es antworten: Milan Kornfeld, Arzt der E-Card-Musterpraxis in Trausdorf und Evelin Kaiser, Ärztin einer "Probepraxis"
Derzeit läuft in den Praxen von 85 ÄrztInnen in den Bezirken Eisenstadt und Neusiedl/See die Testphase mit den E-Cards. Wenn in diesen Referenzpraxen das System funktioniert, soll Ende Mai in ganz Österreich der Einsatz der E-Card beginnen.
derStandard.at: Funktioniert der Probelauf mit der E-Card?
Milan Kornfeld: Im Prinzip läuft derzeit alles recht reibungslos. Bis auf wenige Ausnahmen sind die 85 "Probeärzte" sehr zufrieden. Der Hauptverband denkt sogar darüber nach, ob nicht die anderen Kollegen der Probebezirke Neusiedl und Eisenstadt auch eingeladen werden, vor Mai in die Testphase einzusteigen.
Evelin Kaiser: Funktioniert bisher eigentlich gut.
derStandard.at: Wie groß ist die Angst der Patienten, dass die Daten auf der E-Card missbraucht werden könnten?
Evelin Kaiser: Diezbezüglich gibt es in meiner Praxis eigentlich keine Patientenaussagen. Im Gegenteil, die Patienten sind von der Vereinfachung begeistert.
Milan Kornfeld: Derzeit sind auf der Karten ja nur Name, Vorname und Versicherungsnummer gespeichert. Später verwendet der Patient die E-Card als sogenannte Schlüsselkarte, mit der er dem Arzt ausdrücklich erlauben kann, seine Daten per Anlass einzusehen, oder eben nicht.
derStandard.at: Bei der Präsentation der E-Card war von einem "Meilenstein" im Gesundheitssystem und von europäischer Vorreiterschaft die Rede. Wie schätzen Sie das ein?
Evelin Kaiser: Diese Einschätzung kann nur von Computer-Freaks geteilt werden, Otto-Normalverbraucher wird noch etwas Gewöhnungszeit brauchen. Der Vollbetrieb wird erst zeigen, ob die E-Card zum Ärgernis wird oder nicht.
Milan Kornfeld: Im Prinzip ist die E-Card eine sehr interessante Lösung, die auch international Interesse auslöst. Bei mir war beispielsweise vor kurzem ein ungarisches Fernsehteam. Ich glaube, dass die Lösung Nachahmer finden wird.
derStandard.at: Wird die Umstellung auch für ganz Österreich so gut laufen?
Milan Kornfeld: Wir werden mit viel Bauchweh beobachten, ob die Telekom und die UTA für ganz Österreich die Roll-Out Ressourcen aufbringen kann. Das wird zu Beginn vermutlich Probleme bereiten.
(Anm. der Redaktion: Zum Speisen des zentralen Computers in Wien müssen Netzwerksysteme installiert werden, die Leitungen stellen die Telekom Austria und die UTA Telekom AG zur Verfügung.) (mhe)