E-Card: Meilenstein oder Ärgernis?

von Redaktion  |  06. September 2005, 15:45
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    In der "Musterordination" des Kreisarztes Milan Kornfeind in Trausdorf im Burgenland wird seit 13. Dezember 2004 die E-Card anstatt des Krankenscheines erprobt.

Es antworten: Milan Kornfeld, Arzt der E-Card-Musterpraxis in Trausdorf und Evelin Kaiser, Ärztin einer "Probepraxis"

Derzeit läuft in den Praxen von 85 ÄrztInnen in den Bezirken Eisenstadt und Neusiedl/See die Testphase mit den E-Cards. Wenn in diesen Referenzpraxen das System funktioniert, soll Ende Mai in ganz Österreich der Einsatz der E-Card beginnen.

derStandard.at: Funktioniert der Probelauf mit der E-Card?

Milan Kornfeld: Im Prinzip läuft derzeit alles recht reibungslos. Bis auf wenige Ausnahmen sind die 85 "Probeärzte" sehr zufrieden. Der Hauptverband denkt sogar darüber nach, ob nicht die anderen Kollegen der Probebezirke Neusiedl und Eisenstadt auch eingeladen werden, vor Mai in die Testphase einzusteigen.

Evelin Kaiser: Funktioniert bisher eigentlich gut.

derStandard.at: Wie groß ist die Angst der Patienten, dass die Daten auf der E-Card missbraucht werden könnten?

Evelin Kaiser: Diezbezüglich gibt es in meiner Praxis eigentlich keine Patientenaussagen. Im Gegenteil, die Patienten sind von der Vereinfachung begeistert.

Milan Kornfeld: Derzeit sind auf der Karten ja nur Name, Vorname und Versicherungsnummer gespeichert. Später verwendet der Patient die E-Card als sogenannte Schlüsselkarte, mit der er dem Arzt ausdrücklich erlauben kann, seine Daten per Anlass einzusehen, oder eben nicht.

derStandard.at: Bei der Präsentation der E-Card war von einem "Meilenstein" im Gesundheitssystem und von europäischer Vorreiterschaft die Rede. Wie schätzen Sie das ein?

Evelin Kaiser: Diese Einschätzung kann nur von Computer-Freaks geteilt werden, Otto-Normalverbraucher wird noch etwas Gewöhnungszeit brauchen. Der Vollbetrieb wird erst zeigen, ob die E-Card zum Ärgernis wird oder nicht.

Milan Kornfeld: Im Prinzip ist die E-Card eine sehr interessante Lösung, die auch international Interesse auslöst. Bei mir war beispielsweise vor kurzem ein ungarisches Fernsehteam. Ich glaube, dass die Lösung Nachahmer finden wird.

derStandard.at: Wird die Umstellung auch für ganz Österreich so gut laufen?

Milan Kornfeld: Wir werden mit viel Bauchweh beobachten, ob die Telekom und die UTA für ganz Österreich die Roll-Out Ressourcen aufbringen kann. Das wird zu Beginn vermutlich Probleme bereiten.

(Anm. der Redaktion: Zum Speisen des zentralen Computers in Wien müssen Netzwerksysteme installiert werden, die Leitungen stellen die Telekom Austria und die UTA Telekom AG zur Verfügung.) (mhe)

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22 Postings
Thomas Höbelt   
16.03.2005 21:57
Die e-card ist:

1. Als card vollkommen überflüssig ( eiziger nutzen, die Arzthelfer(in) ersparen sich das abtippen einer Nummer
2. Stimmt, das System an der Arztpraxis ist das eigentlich relevante
3. aus 2 folgt, das es bei der ganzen chose eigentlich nur um ein geschlossenes System einer ( landläufig nicht gerade schlecht verdienenden ) Branche geht, und die sollen sich das einfach untereinander ausmachen wie alle anderen auch.
4. der größte Beweis für die Unfähigkeit unserer Politiker und Beamten, wer für sowas fünf Jahre und mehr braucht wäre überall sonst in hohem Bogen rausgeflogen, und unser Soz.Ministerium schaltet stattdessen für Steuergelder Werbespots ( 2003/4) im TV für ein System das frühestens 2 Jahre später kommt
5. etc etc

Jup posts
16.03.2005 21:21
Ich hoffe alle die hier

gegen die Chip-Karte wettern, haben auch keine einzige Kundenkarte, Kreditkarte oder Bankomatkarte. Dort wird ausgewertet, kommuniziert, Profile erstellt. Aber was nehmen die Leute nicht alles in Kauf um einmal im Jahr 6 neue Glassl beim Billa oder einen Gratis Lippenstift beim Bipa zu kriegen.....

rainer helmstreit   
23.03.2005 14:04

Sie vergesse die kann ich abbestellen und hab keinen Verpflichtungszwang meine Daten zu verwenden! Bei der E-Card werde ich gezwungen!
mfg
Helmi

Jan Sommer
18.03.2005 15:58
Noch ist es nicht so weit, dass Sie keine Lebensversicherung (und


damit moeglicherweise nie wieder einen Kredit) bekommen wiel sie (k)eine Bankomat- oder irgendeine Kundenkarte haben.

Was schaetzens wie lange es dauert, bis es die obligatorische aerztl. Untersuchung fuer eine Lebensversicherung nurmehr mit vollstaendigen Labordaten und Erkrankungshaeufugkeiten etc. via e-card und die anschliessende Diskriminierung geben wird ?
js

Hamish Macalpine
21.03.2005 19:13
lebensversicherung

ist ja eine freiwillige, privatrechtliche angelegenheit. mensch kann ja auch ohne leben.

warum sollen da die vertragspartner nicht verlangen, was sie wollen?

Jan Sommer
22.03.2005 10:33
Grössere Investitionen, Baukredit oder


Kinder/Familie absichern steht bei Ihnen aber nicht im Programm.

Wenn Sie im Bedarfsfall dann - im Gegensatz zu heute - keine Versicherung nimmt, schauts gar nicht mehr gut aus.
js

Hamish Macalpine
23.03.2005 08:00
ja aber wir haben ja staatliche

absicherungssysteme, die zu den üppigsten der welt gehören. die sind für alle da. richtigerweise.

wenn ich grössere mengen geld investieren will, brauche ich höchstens einen immobilienmakler.

kredit krieg ich eh keinen, weil kleinunternehmer und ausländer.

klein adlerauge 
16.03.2005 23:25

ob sie irgendwo eine kundenkarte haben ist ihre freie entscheidung, sozialversichert ist die ecard ein zwang
soviel zu ihrem vergleich.

bin aber pro ecard weil das veraltete system der krankenscheine einfach lächerlich ist (und vor allem so administriert wird)
mfg

cocker-spaniel
16.03.2005 19:39
name falsch

der mann heisst nicht kornfeld, sondern kornfeind.

Nelly Casali
16.03.2005 18:44
Totaler Schwachsinn, das Ding.

Und besonders schwachsinnig ist das Argument mit dem ersparten Krankenschein: Da würde das Angeben der Versicherungsnummer auch reichen. Nein, da gehts beinhart um absolute Datenvernetzung und sonst um garnix. Kann nur raten, die Zugriffsmöglichkeit auf Gesundheitsdaten ausdrücklich zu verweigern und sich regelmäßig ein Protokoll der sonstigen Zugriffe zu besorgen. Damit nicht irgendwann der Steuerberater vom Chef weiß, wann man den letzten Aids-Test gemacht hat. Oder so ähnlich.

Jup posts
16.03.2005 21:18
Also eine Sorge kann ich ihnen nehmen,

dass die Steuerberater mal wissen möchten was sie auf ihrer Arztkarte haben.

nomorelinux
16.03.2005 15:22
Bin nur neugierig

Was ist eine Schlüsselkarte und welche Daten werden gespeichert. Warum sollte ich dem Arzt verweigern meine Daten einzusehen? Gehts vielleicht doch in Richtung Medizin & Bankkarte in einem, wie schon angedacht. Welchen Vorteil bietet eine Karte auf der nur meine SozVersNr gespeichert ist gegenüber einem Krankenschein? Wie kann ich verhindern dass nicht doch der Arzt meine finanz.Daten einsieht oder der Mensch am Finanzamt meine med.Daten. Auch das AMS wäre sicher neugierig. PIN, na ja, aber in einem med.Notfall bei dem ich nicht ansprechbar bin, wer gibt dem Arzt dann die Erlaubnis bzw. PIN, also wirds auch ohne gehen. Es gibt einfach viel zu wenige Infos was diese Karte wirlich kann und wie sie funktioniert.

Kain Anderer
16.03.2005 17:41
Meilenstein ???


... Wie kann ich verhindern dass nicht doch der Arzt meine finanz.Daten einsieht oder der Mensch am Finanzamt meine med.Daten. ...

Wenn die einmal auf der Karte stehen wohl kaum (das ist in der Natur der Sache - jeder denkbare Missbrauch findet auch in der Praxis statt).

... in einem med.Notfall bei dem ich nicht ansprechbar bin, wer gibt dem Arzt dann die Erlaubnis bzw. PIN ...

Im Notfall hilft dir die Karte exakt nichts. Auch wenn du deine Blutgruppe eintätowiert hättest, sie wird bei der Akutversorgung neu bestimmt (ist ja auch logisch).
Wenn du spezielle Allergien hast, Transplantiert bist etc. gibt es spezielle Ausweise (für die man *keinen* Kartenleser braucht).
Sinnvoll ist die Karte nur als (späte) Verwaltungsvereinfachung!

ChesneyB
16.03.2005 16:50

Welche Daten gespeichert werden, finden Sie unter dem zum Artikel angegebenen Link.
Vorteile gegenüber dem Krankenschein: siehe mein Posting unten.

Julius Flottwell
16.03.2005 15:02
Wozu

Nachdem ich noch nie einen Krankenschein verwendet habe, und daher leider nicht weiß wie die Abrechnung damit funktioniert (hat) - mal eine dumme Frage:
Soweit ich das bis jetzt gelesen habe, steht bloß Name&Versicherungsnummer auf der "eCard". Was hat dann die eCard, im Vergleich zu einem Zettel auf dem ebenfalls Name&Versicherungsnummer steht, eigentlich für einen Vorteil??

ChesneyB
16.03.2005 16:46

1. Daß Sie nicht immer Krankeinscheine anfordern müssen, wenn Sie keine mehr haben. Vorteil für Patienten.)
2. Daß der Papierkram wegfällt, weil die Daten über den Arztbesuch an ein Rechenzentrum übermittelt werden. (Vorteil für die Ärzte.)
(Abgesehen davon: jemand hat mal gesagt, es gebe keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten. :-))

Boy Sets Fire 
16.03.2005 16:43
ein vorteil ist der...

dass es eine karte gibt und aus.
sie brauchen nicht vor jedem arztebsuch wieder krankenscheine anfordern.

Julius Flottwell
16.03.2005 17:13
Vorteil

Danke für die Antwort(en)!
Auf der Seite der Niederösterr. Ärztekammer (http://www.arztnoe.at) bin ich auch fündig geworden. In diesem Dokument www.arztnoe.at/localfile... /5335_.pdf werden die verschiedenen FAQs der Ärzte behandelt.
Tatsächlich ist die eCard absolut unnötig. Die Versicherungsnummer tuts im Prinzip auch (siehe Frage 51).
Die eCard dient wirklich nur dazu sich das Eintippen der Nummer zu ersparen...
Das wichtigste der "eCard" ist nicht die Card sondern das Netz an das alle Ärzte angeschlossen werden.

Manfred Gruber 
18.03.2005 14:21
Stimmt,

aber nur, wenn jeder seine Versicherungsnummer kennen würde, diese auch in der Aufregung korrekt angeben könnte und sich die SekretärIn nicht verhört/vertippt.

Charles Duchemin 
16.03.2005 13:34
Interessant ...

.. Dr Kornfeind ist nun also Experte für den "Roll-Out"
und dafür, ob die UTA und Telekom die Resourcen aufbringen können.


Boy Sets Fire 
16.03.2005 16:44
nein...

aber jeder der schon mal mehr mit der telekom zu tun gehabt hat, also ihr telefon zu gebrauchen, weiß, dass es bei allem was sie anpackt zu problemen kommt (sehr wahrscheinlich kommen kann)

dr mike
16.03.2005 21:21

Sie irren. Das Telefonieren ist schon ein Problem mit/bei der Telekom.

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