Tückische Schwerkraft

9. Mai 2005, 14:25
9 Postings

Das Aus für das Cross-Border-Leasing könnte hiesigen Schlaumeiern noch teuer kommen - Von Helmut Spudich

Auf finanzieller Ebene war es so etwas wie eine Erfindung zur Aufhebung der Schwerkraft: das so genannte Cross-Border-Leasing (CBL), eine jener Finanzkonstruktionen die dem Kapitalismus seinen schlechten Ruf geben.

In aller Kürze: Der gute Onkel aus Amerika schenkt hiesigen Energieversorgern, Bahn, Kommunen Geld dafür, dass sie auf dem Papier Anlagen (gut erhaltenes Schienennetz gefällig?) verkaufen und billiger als zum Verkaufswert wieder zurückleasen.

Natürlich musste die Differenz wo herkommen, noch dazu, wo auch der gute Onkel aus Amerika daran kräftig verdienen wollte. Es kam aus den Taschen der amerikanischen Steuerzahler, die für die Steuerabschreibungen (das war der Kern des Geschäfts) aufkommen mussten.

Nun könnte das einem Österreicher (oder EU-Bürger, denn an diesem Modell zur Geldvermehrung wollten alle mitnaschen) egal sein. Aber es musste klar sein, dass dieses Kartenhaus eines Tages zusammenbricht - denn selbst einer der Finanzwelt freundlich gesinnten Regierung wie die von George W. Bush ist in Anbetracht von Rekorddefiziten der eigene Haushalt näher als der Steuergewinn von Investoren.

Also geht der US-Fiskus jetzt in die Offensive und will die bisher gewährten Abschreibungen wieder eintreiben. Seine Begründung: Das Geschäft sei von Anfang an ein Steuermissbrauch gewesen.

Das könnte hiesigen Schlaumeiern letztlich noch teuer kommen: Denn sollten die US-Investoren gegen die Steuer verlieren, werden sie schlechte Verlierer sein.

Und sie werden in jeder Klausel ihrer Verträge nach einem Vertragsbruch suchen - etwa bei der ursprünglichen Bewertung der Anlage, oder nicht erfüllten Berichtspflichten. Schwerkraft ist eben tückisch - man empfindet sie nur für kurze Augenblicke, und das nur im freien Fall. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.03.2005)

Share if you care.