Internet-Lexikon "aeiou" vor dem Aus

23. März 2005, 10:30
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Server soll nach Einstellung der Zahlungen des Bildungsministeriums Ende März abgedreht werden

Das Internet-Lexikon aeiou steht vor dem Aus. Wie der Grazer Multimedia-Experte Hermann Maurer, der das Trägersystem entwickelt hat im Gespräch mit der APA bestätigte, wird der Betrieb des "aeiou"-Servers mit Ende März eingestellt. "Es ist für mich unverständlich, dass dieses einmalige Informationsangebot über Österreich, dessen Aufbau rund 7 Mio. Euro gekostet hat, aus dem Internet entfernt wird, noch dazu in einem Jubiläumsjahr für Österreich, in dem besonders viele Besucher zu erwarten sind", betonte Maurer, der Dekan der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität Graz ist und an dessen Institut der "aeiou"-Server steht.

Einstellung der Zahlungen des Bildungsministeriums

Grund für das drohende Ende sei die Einstellung der Zahlungen des Bildungsministeriums an die Verlagsgemeinschaft (bestehend aus Brandstätter Verlag, Ed. Hölzel und Bundesverlag), die das gedruckte Österreich-Lexikon herausgibt. Dieses war in seiner zweibändigen Auflage auch das Herzstück des elektronischen Lexikons, so Maurer. Weil kein Geld mehr zur Verfügung steht, könnten die Inhalte des Internet-Lexikons nicht mehr aktualisiert werden.

Einvernehmlich

Im Büro von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) betonte man auf Anfrage der APA, dass der Vertrag zwischen Ministerium und Verlagsgemeinschaft einvernehmlich gelöst worden sei, weil es unterschiedliche Vorstellungen zwischen den beiden Vertragspartnern gegeben habe. Man müsse sich nun überlegen, was mit den Daten passiere. Keine Angaben gibt es darüber, viel das Ministerium in den vergangenen Jahren für das Internet-Lexikon bezahlt hat.

Das "Annotierbare Elektronische Interaktive Österreichische Universallexikon" (aeiou) wurde 1996 vom damaligen Wissenschaftsministerium im Rahmen seiner Millenniumsprojekte als Kulturinformationssystem ins Leben gerufen. Herzstück war das "Österreich-Lexikon" mit 13.000 Stichwörtern und 2.000 Abbildungen, die durch eine Reihe von eigenständigen "Alben" (z.B. über österreichische Musikgeschichte mit Tonbeispielen) ergänzt wurden.

700.000 Zugriffe

Alleine in den ersten Monaten dieses Jahres habe es bereits 700.000 Zugriffe auf "aeiou" gegeben. Maurer fordert auf der Homepage des Lexikons dazu auf, e-mails an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Gehrer zu senden und sich für eine Weiterführung des Servers auszusprechen. Er hofft, dass man das Projekt weiterführt, gegebenenfalls auch in einer neuen Form.

Johann Lehner, Redaktionsleiter von "aeiou" beim Brandstätter Verlag, bestätigte, dass der Server Ende März vom Netz genommen werde. Auch er machte keine Angaben darüber, wieviel das Bildungsministerium für das Internet-Lexikon bezahlt habe. Betreiber des System sei das Ministerium, wenn dieses keine Weiterführung wolle, könnten die Verlage gar nicht aktiv werden, sondern müssten das akzeptieren.

Möglichkeiten

Die Verlage würden aber von sich aus nach neuen Möglichkeiten suchen. Das wäre dann aber keine Verlängerung, sondern ein neues System mit einem anderen Namen, auf einer anderen Plattform, aber ähnlichen Inhalten. Laut Lehner wurde "aeiou" nur mehr bis zum Jahr 2002 aktualisiert, auch die neuen Daten für die Neuauflage des mittlerweile dreibändigen Österreich-Lexikons seien nicht mehr in das Internet-Service eingeflossen. (APA)

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aeiou

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