Hintergrund: General Gotovina und die "Operation Sturm"

24. Mai 2005, 12:33
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Haager Tribunal wirft dem kroatischen Militär schwere Verbrechen vor

Zagreb - Der Streit um die Auslieferung des kroatischen Generals Ante Gotovina droht die Verhandlungen über die Aufnahme Kroatiens in die EU zu verzögern. Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat Gotovina wegen des Verdachts auf schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und verlangt seine Überstellung. Es geht um die Vorkommnisse der "Operation Sturm", mit der kroatische Armee-Einheiten unter seiner Führung im August 1995 die bis dahin serbisch kontrollierte Region Knin zurückeroberten und damit dem vierjährigen serbisch-kroatischen Krieg ein Ende bereiteten.

Im Verlauf der Offensive wurden nach Angaben der Haager Ankläger mindestens 150 serbische Zivilisten getötet. Einige hundert weitere seien noch immer vermisst gemeldet. Mehrere zehntausend seien in die Flucht getrieben worden. Im Februar 2004 veröffentlichte das Tribunal die Anklagepunkte gegen Gotovina: Es legt ihm Verfolgung aus politischen, ethnischen und religiösen Motiven zur Last, zudem noch Mord, Vertreibung, Plünderung und Verletzung des Kriegsrechts.

Die "Operation Sturm" besiegelte das Ende der selbst proklamierten "Serbischen Republik Krajina", die zeitweise bis zu einem Drittel des kroatischen Staatsgebiets kontrollierte und dabei von der serbischen Führung in Belgrad unterstützt wurde. Nach UN-Angaben wurden im Verlauf des Kriegs 280.000 Serben aus Kroatien vertrieben. Bis heute sind die meisten von ihnen nicht zurückgekehrt.

Gotovina, dessen militärische Laufbahn ihn von der französischen Fremdenlegion bis zum General der kroatischen Armee führte, ist seit Jahren untergetaucht. Die Regierung in Zagreb gibt an, keinerlei Kenntnisse über seinen Verbleib zu haben. (APA)

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