RTR-Kritik: 800 Euro für TV-Telefonquiz

5. April 2005, 21:05
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Die Medienbehörde warnt Konsumenten vor Call-in-Sendungen - dem aus Gebühren finanzierten ORF rät sie ganz davon ab

Die Medienbehörde RTR warnt Konsumenten vor Call-in-Sendungen. Dem aus Gebühren finanzierten ORF rät sie ganz davon ab. Dort sind solche Quizspiele ein Fall für den Stiftungsrat, findet das Kanzleramt.
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"Die Organe des ORF sind aufgerufen, sich damit zu befassen, wie der ORF mit solchen Sendungen umgeht", sagt eine Sprecherin von Medienstaatssekretär Franz Morak dem STANDARD. Die Gelegenheit ist günstig: Mittwoch tagt der Stiftungsrat der Anstalt.

Mitglieder des Publikumsrates protestierten schon vorige Woche gegen "Abzocke" des Publikums im "Quiz Express" (DER STANDARD berichte). Sanfter die "Empfehlung" des Gremiums an die Geschäftsführung: Sie möge den "Quiz Express" "inhaltlich aufwerten" und "die Verkaufsorientierung reduzieren".

Etwas schärfer am Dienstag Alfred Grinschgl, Manager der Medienbehörde RTR: "Wäre der ORF nicht gut beraten, auf Sendungen wie 'Quiz Express' zu verzichten, da derartige Formate beim Gebühren zahlenden Publikum wohl zu Irritationen führen?"

ORF-Generalin Monika Lindner zog sich im Publikumsrat darauf zurück, dass die Anstalt damit nicht gegen das Rundfunkgesetz verstoße. Tatsächlich verbietet das ORF-Gesetz "Appelle, Nummern mit Mehrwertdiensten anzurufen," nur in "Sendungen, die sich ihrem Inhalt nach überwiegend an unmündige Minderjährige richten".

Unmündig und minderjährig ist der Mensch bis 14. Jüngere zählten auch, aber eben nicht überwiegend zum Publikum von "Starmania", das ebenfalls Mehrwertnummern für die "Votings" einsetzte.

Die Rundfunk- und Telekomregulierung RTR hat freilich nicht nur gute Ratschläge für öffentlich-rechtliche Anstalten. Sie warnt Konsumenten ganz generell vor solchen Quizsendungen. Anrufer blieben im Regelfall im Unklaren über Spielregeln und Chancen, kritisiert die RTR.

Im gesamten Jahr 2004 verzeichnete die Behörde 47 Beschwerden wegen Mehrwertnummern-TV. Alleine von Jänner bis März 2005 befassten Zuschauer ihre Schlichtungsstelle schon 47-mal mit hohen Telefonrechnungen, die von Gewinnspielen im Fernsehen rühren. Laut RTR-Manager Georg Serentschy bewegen sich die Streitwerte zwischen 30 und 800 Euro.

Beim "Quiz Express" werden Zuschauer erst nach dem hundertsten Anruf gesperrt, kritisierten Publikumsräte: 70 Euro sei man da rasch los.

Im interaktiven Digital-TV – etwa bei Sky in England – reicht fürs Mitmachen (und Mitzahlen) schon ein Knopf auf der Fernbedienung. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 16.3.2005)

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RTR

Nachlese

"Abzocke" im ORF-Programm - Publikumsräte protestieren gegen "Quiz Express" und Vorauswahl zum Song Contest - Lindner: "Kein Verstoß gegen Rundfunkgesetz"

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