Öffis in Wien: Wo bleibt ULF?

5. Februar 2006, 21:50
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Wann und wieso Niederflurstraßenbahnen auf welchen Linien auf die Reise geschickt werden

Wien - Mit einer Einstiegshöhe von nur 19 Zentimetern und einer hohen Fahrtgeschwindigkeit erfreuen sich die Niederflurstraßenbahnen vom Typ ULF ("Ultra Low Floor") einer großen Beliebtheit bei den Benützern der öffentlichen Verkehrsmittel Wiens. Während die Buslinien aber bereits zum größeren Teil Niederflur-Komfort bieten, ist bei den Straßenbahnlinien Geduld gefragt: Mit einer vollständigen Umstellung aller 560 Züge ist erst in ca. zehn Jahren zu rechnen. Dass das seine guten Gründe hat, erläuterte der Sprecher der Wiener Linien, Johann Ehrengruber, im Gespräch mit derStandard.at.

ULF-Bestellung im Wert von 357 Millionen Euro

"ULF-Garnituren kommen erst dann auf einer Linie zum Einsatz, wenn die Stückzahl für ein sinnvolles Intervall reicht", so Ehrengruber. Statt einer breiten Streuung setzt man auf die weit gehende, wenn auch nicht hundertprozentige Umstellung von einzelnen Straßenbahnlinien. Insgesamt 140 ULF-Garnituren sind in Wien derzeit auf zehn verschiedenen Linien im Einsatz, zehn Garnituren kommen noch bis zum Jahresende dazu. Ein Vertrag mit einem Auftragswert von rund 357 Millionen Euro für 150 weitere Garnituren, von denen ab 2006 zehn bis 15 Stück pro Jahr ausgeliefert werden, wurde vergangenen Sommer unterzeichnet.

Auch Remisen müssen adaptiert werden

Welche Linien in den Genuss der ULF-Garnituren kommen, hängt natürlich vor allem auch vom Fahrgastandrang ab. Daneben spielen aber technische Gründe eine gravierende Rolle: "ULF-Garnituren brauchen gegenüber den alten Zügen eine völlig andere Infrastruktur, d.h. etwa entsprechend adaptierte Werkstätten und Remisen", erklärt Ehrengruber. So befinden sich die Motoren bei Niederflur-Garnituren nicht mehr wie früher unter dem Fußboden im so genannten Drehgestell, sondern in Modulen versteckt im Fahrgastraum, wesentliche technische Elemente wurden auch auf das Dach verpflanzt. Die Wartung muss daher über Dachbühnen und nicht mehr von unten erfolgen.

ULF seit 1998 im Einsatz

Die erste Remise, die für diese Anforderungen eingerichtet wurde, befindet sich in Favoriten. Von hier starteten 1998 die ersten Serienfahrzeuge auf den Linien 65 und 67, später auch der 6er. Mit der Adaptierung der Remise Floridsdorf konnte ab Demzemer 2000 die Linie 31 zwischen Schottenring und Stammersdorf ihren Betrieb aufnehmen. 2001 wurden in der Remise Ottakring die Voraussetzung für den ULF-Betrieb auf den Linien 46 und J geschaffen. Seit Oktober 2002 sind ULF-Züge auf der Linie 71 unterwegs, seit November desselben Jahres auch auf der Linie 43 und seit März 2003 auf der Linie 44. Der bisher letzte Zugang in die ULF-Gemeinde erfolge mit dem 26-er im November 2004. Insgesamt rund 15 Millionen Kilometer haben ULF-Garnituren auf diesen Linien bereits zurückgelegt. Welche Linie als nächste in den Genuss von Niederflurkomfort kommt, ist derzeit noch nicht klar, so Ehrengruber.

ULF-Infos in Echtzeit

Nützliche Informationen hinsichtlich der bereits bestehenden Niederflur-Linien können übrigens beim Kundentelefon der Wiener Linien abgefragt werden: Ist die Linie im rechnergesteuerten Betriebsleitsystem erfasst, kann man in Echtzeit erfahren, wann mit dem Eintreffen der nächsten ULF-Garnitur in einer bestimmten Station zu rechnen ist - ein praktisches Angebot nicht zuletzt für RollstuhlfahrerInnen, Eltern mit Kinderwägen oder gehbehinderte Menschen. (kg)

Link
Wiener Linien

Kundentelefon
(01) 79 09/100
Mo-Fr 6-22 Uhr
Sa, So, Ftg 8.30-16.30 Uhr
  • Seit Dezember 2000 ist die die Niederflurstraßenbahn ULF auf der Linie 31 unterwegs.
    foto: wiener linien

    Seit Dezember 2000 ist die die Niederflurstraßenbahn ULF auf der Linie 31 unterwegs.

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