RAU: Kulturerbe

9. Mai 2005, 14:29
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Die Unesco betreibt durchaus den Schutz von so genanntem "immateriellem" kulturellem Erbe als da sind: Sagen, Märchen, Mythen

Klingt sehr österreichisch, diese Idee eines leitenden Herrn von der Österreich-Werbung, den österreichischen Charme von der Unesco unter Schutz stellen zu lassen. Als Weltkulturerbe. Vor allem ist der offenbar ernst gemeinte Vorschlag so jenseits, dass man ihn eigentlich gar nicht mehr wirklich ironisieren kann.

Höchstens in der Form, dass man die Unesco um Schutz vor dem österreichischen Charme bittet. Oder mit dem Karl-Kraus-Zitat: "Ich verlange von einer Stadt, in der ich leben soll: Asphalt, Straßenspülung, Haustorschlüssel, Luftheizung, Warmwasserleitung. Gemütlich bin ich selber."

Aber ganz so absurd ist die Forderung nach Unterschutzstellung eines ideellen Kulturgutes nicht. Die Unesco betreibt durchaus den Schutz von so genanntem "immateriellem" kulturellem Erbe als da sind: Sagen, Märchen, Mythen, Volksweisen usw. Es gibt auch eine Österreich-Kommission dafür und "nationale Experten", die sich darum kümmern. Allerdings hat Österreich die entsprechende Konvention noch nicht ratifiziert.

Sollte man schleunigst tun, ehe man eine so flüchtige und fragwürdige Erscheinung wie den "österreichischen Charme" unter den Glassturz stellen will. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.03.2005)

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