Vom Frieren am Ballhausplatz zur Quizmillion

14. März 2005, 21:00
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Geld für die DichterInnen von "Millionenshow"- Gewinnerin Elfriede Awadalla - ein Porträt von Irene Brickner

Beharrlichkeit und Vielseitigkeit sind die wohl herausragendsten Eigenschaften der neuen Euromillionärin Elfriede (El) Awadalla. Die Ziele, die sie bisher damit erreicht hat, sind vielfältig, ja bunt.

Geduldiges Drücken der Wiederwahltaste, um am "Millionenshow"-Anmeldetelefon durchzukommen, brachte der gebürtigen Nickelsdorferin den Startplatz in Armin Assingers "Millionenshow" ein und ebnete ihr den Weg zum Hauptgewinn. Geduldiges Ausharren vor dem politischen Gegner, jeden Donnerstagabend und bei jedem Wetter, machte aus den Widerstandslesungen gegen Schwarz-Blau auf dem Wiener Ballhausplatz eine Dauerinstitution, die Awadalla seit Beginn mitorganisiert.

Die Quiz-Million - so stellte sich nun heraus - ließ sich leichter erobern als die schwarz-blaue Bundesregierung abwählen. Ein Paradox, das der 48-Jährigen, die mit drei Kindern und mehreren Kaninchen in einem auf Kredit gekauften Zinshaus nahe des Wiener Naschmarkts wohnt, aber nicht viel zu denken gibt: "Wie sonst hätte ich meine Schulden je loswerden sollen?", fragt sie. Und hält Kritikern und Neidern ein offensives "Was ich politisch mache, hat mit der ,Millionenshow' überhaupt nichts zu tun" entgegen.

Politisch unternommen - und darüber geschrieben - hat die Wahlwienerin tatsächlich schon recht viel. Ihr Wirkungskreis dabei: die linke Szene - jene, die sich mit dem Eigenschaftswort "links" heute umso schwerer tut, als ihre Denkansätze früher dogmatisch waren. Auf Awadallas Homepage finden sich etwa Texte über die Nähe von Psychogruppen zu rechtem Gedankengut und ein Briefwechsel des "Komitees zur Förderung der literarischen Landesverteidigung (LLV)" mit der Bundesheer-Reformkommission.

Letzterer weist in Richtung der künstlerischen Aktivitäten der Frau, die das Geld für ihren Lebensunterhalt bisher als Lohnverrechnerin verdiente: Awadalla - den Namen trägt sie nach einer früheren Ehe mit einem Ägypter - ist "Heimatdichterin" der widerständigen Art. Sie verfasst Lyrik in Dialektform und ist als Präsidentin der Österreichischen DialektdichterInnen (Ö.D.I) auch für deren Zeitung Morgenstern verantwortlich.

"a bealauch a schdingada / a kaas dazu / eiafeam / und a bissl a sun": So beschreibt sie in einem Gedicht den März. Der vor wenigen Tagen erreichte Millionengewinn dürfte dem Monat einigen Reiz hinzugefügt haben. Wobei den Positiveffekt des Geldregens - neben Awadallas Kindern und einem Motorradhändler, wo die Gewinnerin eine Maschine "mit g'scheitem Hubraum" zu kaufen gedenkt - vor allem die heimischen DialektdichterInnen spüren dürften. Ihnen will Awadalla in Zukunft "eine ganze Sekretariatskraft" zahlen. (DER STANDARD, Print, 15.3.2005)

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    foto: orf-fotografie
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