Freuden für Arnie und Franz

11. Mai 2005, 22:27
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Jetzt hat er sein Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich also doch noch erhalten ...

Jetzt hat er sein Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich also doch noch erhalten, und jedermann, der dem nationalen Ordensverleih den Wert beimisst, der ihm zukommt, wird es einem 95-Jährigen von Herzen, wenn vielleicht auch nicht von Verstand, gönnen - selbst wenn sich dessen Charakterbild, von Fremd- und Selbstdarstellungen verzerrt, in der österreichischen Geschichte und vor österreichischen Gerichten als höchst schwankend erwiesen hat. Und auch das ist schon bald vierzig Jahre her. Denn es bleibt dabei: Wenn Hans Dichand einmal jemanden ins Herz geschlossen hat, und im Fall Franz Olahs hatte er dazu einen ganz besonderen Grund, dann tut ihm die Republik gern den kleinen Gefallen einer Ehrung, die nichts kostet.

So kann etwa auch Arnold Schwarzenegger beruhigt in die Zukunft schauen. Samstag vermeldete die "Kronen Zeitung" in ihrer Rubrik Politik unter einem einschlägigen Foto: Eine Kiste deutscher Zigarren und einen bayerischen Löwen aus Porzellan überreichte CSU-Landeschef Edmund Stoiber in Kalifornien Arnold Schwarzenegger. Der Gouvernator revanchierte sich mit einem Spazierstock. Politisch war man sich einig. Arnold: Wir beide wollen unsere Staaten in eine kräftige Jobmaschine verwandeln."

Einerseits sollte den Lesern damit klar gemacht werden, dass Arnies Ruf als freisinniger Zigarrenschmaucher in der Nichtraucher-Diktatur USA schon bis in den Freistaat Bayern gedrungen ist, andererseits galt es, dem frechen ausländischen Versuch, der "Kronen Zeitung" eines ihrer Idole abspenstig zu machen, einen patriotischen Riegel vorzuschieben. Das geschah am nächsten Tag, wo sich, wieder in der Rubrik Politik, folgende herzerwärmende Sondermeldung des Korrespondenten Hans Janitschek aus Sacramento fand:

Ein Österreich-Tag für "Arnie", Gorbach und die Sängerknaben. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger - Gouvernator ist er nur für christlichsoziale Bayern - hat für seine Kollegen in Regierung und Kongress Montag eine große Überraschung aus Österreich: Unter der Kuppel des Regierungspalastes werden die Wiener Sängerknaben eine private Vorstellung für ihren Landsmann aus der Steiermark geben! "Das habe ich mir schon lange gewünscht!", erklärte "Arnie" vor Journalisten, der auch seine Frau Maria samt vier Kindern zu dem Konzert eingeladen hat. Unter den geladenen Gästen befindet sich Vizekanzler Hubert Gorbach, der bereits zum zweiten Mal in der kalifornischen Hauptstadt für österreichische Exporte wirbt.

Ob sich "Arnie" bei jedem Sängerknaben mit einen Spazierstock revanchieren würde, vergaß Janitschek ebenso zu vermelden wie die Erfolge von Gorbachs Exportoffensive. Die Frage, ob man den historischen Verdiensten Franz Olahs mit einer Privatvorstellung der Wiener Sängerknaben nicht eher gerecht geworden wäre als mit einem gleisnerisch öffentlichen Ehrenzeichen, stellte sich erst gar nicht, hätte sich doch der Sphärengesang aus präpubertären Kehlen in Konkurrenz zu Günther Nennings senilem Tirilieren flau angehört. Sonntag in "Krone"-bunt: An seinem 95. Geburtstag gedenke ich aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen: Ich mag Franz Olah, ich war an seiner Seite, ich teilte seine Ideen.

Daran tut er heute als Kolumnist der "Krone" auch gut, verschaffte doch Olah einen Kredit zur Gründung des Blattes, und nicht aus eigenen Mitteln. Die "Krone" hat es ihm durch jahrelange politische Loyalität gedankt. Sein Auf- und Abstieg kann und braucht hier nicht nacherzählt zu werden, aber jetzt ist klar, was Olahs größter Irrtum war, größer als sein Hang zu diktatorischen Alleingängen: Er hat nicht auf Günther Nenning gehört.

1959 wurde er Präsident des Gewerkschaftsbundes, 1963 Innenminister. Sein Amt als ÖGB-Präsident gab er auf. Ich war damals in der Gewerkschaft ein kleiner Mann, aber mit Olah befreundet. "Franz", sagte ich, "das ist ein schwerer Fehler. Als ÖGB-Präsident hast du eine Hausmacht, als Innenminister wirst du von der Partei ernannt, und sie können dich auch wieder absetzen. Und wie du gebaut bist, werden sie dich killen." Und da machte Olah den entscheidenden Fehler seiner Karriere. Statt auf den kleinen Mann zu hören, tat er folgendes: Olah griff zum Aschenbecher - ihn auf Gesprächspartner zu schleudern war nach Nenning ein Zeichen seines leidenschaftlichen Temperaments - und sagte: "Du Karnickel." Er, der jahrelang Häftling war, wollte halt unbedingt Polizeiminister werden. Das ist mit ein bisschen Tiefenpsychologie sehr verständlich.

Und erst mit Karnickelpsychologie! Heute noch könnte Olah ÖGB-Präsident sein, hätte er auf Nenning gehört. Aber so: Man zimmerte eine Anklage, die ihm eine Kerkerstrafe von einem Jahr eintrug. Warum, will Nenning nicht so recht erklären, dass Olah aber Gewerkschaftsgelder verwendete, um eine Partisanenorganisation aufzubauen - typisch Häftling! -, gibt er zu. Es war die erzbürgerliche "Wochenpresse", die damals titelte: Olah - Schatten über Österreich.

Aber, Nenning verklärt: Er nahm keinen Groschen für sich persönlich. Ehrenzeichen hiemit redlich verdient. (DER STANDARD; Printausgabe, 15.3.2005)

Von Günter Traxler
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