"Das gemeinsame Parlament mit Serbien ist nutzlos"

15. März 2005, 17:12
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Montenegros Außenminister Außenminister Miodrag Vlahovic im STANDARD-Gespräch: "Unser Platz ist in Europa"

Der montenegrinische Außenminister Miodrag Vlahovic setzt auf das Referendum im Februar 2006 und plädiert für eine Gemeinschaft unabhängiger Staaten mit Serbien.

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Wien - "Wir möchten als unabhängiger Staat Teil der europäischen Familie werden und nicht als Territorium, als Provinz oder als ein Zugang zum Meer", sagte der montenegrinische Außenminister, Miodrag Vlahovic gegenüber dem STANDARD bei seinem Besuch in Wien am Montag. Deshalb sei die Unabhängigkeit Montenegros die eine, die EU-Integration die andere Seite derselben Medaille.

Es sei gut, dass das gemeinsame Parlament von Serbien und Montenegro nicht mehr funktioniere. Denn dieses Parlament sei eine "nutzlose Institution" und "keine geeignete Form für die Kommunikation zwischen Serbien und Montenegro." Es funktioniere nicht, weil es sich um ein föderales Element innerhalb eines losen Staatenbundes von unabhängigen Staaten handle.

Die eigentlich schon für vergangenen Februar vorgesehenen Parlamentswahlen würden nicht durchgeführt werden. "Die Frage ist für dieses Jahr vom Tisch." Man solle das Beste daraus machen und "wir erwarten dasselbe von unseren lieben Freunden in Serbien". Montenegro, nutze seine Möglichkeiten innerhalb des "zweigleisigen Modells", das eine getrennte Annäherung von Serbien und Montenegro an die EU ermöglicht.

"Gleichzeitig ist Montenegro bereit, alle notwendigen Vorbedingungen für ein demokratisches, legitimes und glaubwürdiges Referendum zur Eigenstaatlichkeit vorzubereiten", so Vlahovic. Dafür gebe es eine konstante Bevölkerungsmehrheit.

Man habe den Vorschlag gemacht, eine Union unabhängiger Staaten mit Serbien zu bilden. Dass man in der serbischen Regierung gegen dieses Modell sei, sei "falsch für Belgrad" und es sei "auch falsch für Serbien". "Aber wir sind geduldig und hartnäckig", so der Außenminister. Niemand habe erwartet, dass "morgen früh" eine positive Antwort kommen werde.

Zu einem EU-Beitrittsdatum für Montenegro meinte Vlahovic: "Wenn es von Montenegro abhängen würde, wäre das in zwei, drei Jahren. Unser Platz ist in Europa." In vielen Dingen habe Montenegro aber keinen Einfluss.

Die Kosovo-Statusverhandlungen und die Frage der Unabhängigkeit Montenegros sollten jedenfalls nicht vermischt werden. "Das sind zwei ganz und gar andere Phänomene." Wenn die internationale Gemeinschaft zögere, konkrete Entscheidungen zu treffen, dann werde die gesamte Region mit Sicherheit in die alten Zeiten abgleiten, in denen man sich feindlich gegenübergestanden war.

"Wir leiden noch immer an diesen politischen und ideologischen Konzepten." Es sei besser, diese loszuwerden. "Für alle von uns. Denn das ist der einzige Weg, wie wir unser Gesicht wahren können. Und es ist nicht nur Serbien, das eines zu wahren hat." (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2005)

  • Außenminister Miodrag Vlahovic forciert die Unabhängigkeit Montenegros und die Auflösung des Staatenbundes mit Serbien im kommenden Jahr.
    foto: cremer

    Außenminister Miodrag Vlahovic forciert die Unabhängigkeit Montenegros und die Auflösung des Staatenbundes mit Serbien im kommenden Jahr.

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