Lebensmittel-KMU: Raus aus der Billig-Spirale

22. März 2007, 14:43
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Qualität wird bezahlt, wenn sie überzeugt - Geiz ist nicht mehr so geil, wie er einmal war

Immer billiger, immer schneller: So könnte man die Entwicklung beschreiben, die der Einzelhandel (nicht nur) mit Lebensmitteln in den letzten Jahren durchlaufen hat. Kleine Lebensmittelhändler, die nicht das Glück haben, unentdeckte Nischen zu besetzen, haben es schwer.

Umso mehr verwundert es, dass Meinungsumfragen ein gänzlich anderes Bild des Kaufverhaltens österreichischer LebensmittelkonsumentInnen zeichnen: Frische, Hygiene und Qualität - das seien ihre wichtigsten Kriterien beim Lebensmitteleinkauf, meinten rund zwei Drittel eines von Fessel GFK befragten Samples "haushaltsführender Personen" im Jahr 2003.

Frisch und sauber

76 Prozent der befragten Personen gaben an, beim Lebensmitteleinkauf sei es für sie ein "sehr wichtiges Kriterium", "immer frische Waren" vorzufinden. 75 Prozent hielten die Sauberkeit des Geschäfts für kaufentscheidend. Und 73 Prozent der Befragten beurteilten eine hohe Qualität des Angebots als sehr wichtig. Das Kriterium "Günstige Angebote und Aktionen" rangiert erst an fünfter Stelle - nach "Klarer Preisauszeichnung".

Dass der "Geiz ist geil"-Trend kein Trend mehr ist, wird auch von anderen Studien bestätigt: KundInnen achten wieder mehr darauf, Qualität zu kaufen - und dafür auf dieses oder jenes Schnäppchen zu verzichten.

Qualität erklären

Qualität muss aber begründet werden: "Ich weiß, dass niemand das selbe Produkt anbietet wie ich", sagte ein Wiener Lebensmittelhändler, der nicht genannt werden will, im derStandard.at-Gespräch. Aber, so fügte er hinzu: "Ich weiß nicht, wie ich es den Kunden erklären soll".

Vereinfacht gesagt, spießt es sich an zwei Punkten: Erstens muss das Produkt oder die Leistung auf seine Weise einzigartig sein. Zweitens müssen die KundInnen erkennen, was daran so einzigartig ist. "Sie müssen noch beim Abendessen darüber reden, was sie am Unternehmen beeindruckt hat", meint der ehemalige Burger King-Chef Barry Gibbons einmal etwas überzeichnend. Dann kann auch der Preis ruhig gehobener sein: Die KundInnen wissen, dass sie für das Mehr an Geld auch mehr bekommen. (mas)

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    Kleine Händler, die versuchen, mit den Diskontern mitzuhalten, werden es auf Dauer schwer haben

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