Es ist akut, Frau Doktor

15. März 2005, 07:00
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Die Radiowerbung von Herold um Möchtegern-Arztfrauen verdient ein wenig Aufmerksamkeit - und die Zitrone

Eine unserer Leserinnen hätte in stiller Perplexität beinahe einen Unfall gebaut, wie sie uns wissen ließ, als sie auf dem Weg nach Hause im Auto die Herold-Radiowerbung hörte.
Eine gar Lachmuskeln unlüpfende Werbung, die dermaßen angestaubt ist, dass einer schon leicht die Luft wegbleiben kann. Und nein, geschätzte Informantin und Leserin, das liegt nicht an den Östrogenen. Eher an dem redundanten Bedienen von Klischees, dass frau sich fragen muss, ob diese Werberlinge dermaßen unterbezahlt sind, dass ihnen nichts Besseres einfällt.

Aber um Ihnen einmal das Sujet vorzustellen:
Zwei Frauen unterhalten sich. Der Dialog lautet in etwa: "Ich brauch einen Urologen". "Aha". "Oder einen Dermatologen?" Eine Liste von Wahlärzten wird aufgezählt, und als die andre nachfragt, warum, macht alles Sinn. Schwach(en) zwar, aber doch: "Dann sagen sie Frau Doktor zu mir und ich bin finanziell abgesichert!" Herold - get the information!

Sicher, der Herold setzt zur Zeit auf Rückwärtiges, die Steinzeitmänner in der TV-Werbung zeugen davon. Aber hier, keine Spur von in die Vergangenheit ausgelagertem Setting. Nur von dort hergeholte Vorlagen. Als wäre es ein toller Deal, ihre Selbstbestimmtheit in finanzieller Hinsicht gegen ein "Frau Doktor, grüß Sie Gott" einzutauschen. Wie es die beiden Frauen in der Werbung suggerieren, unbekümmert flötend und ohne hörbaren ironischen Unterton. Allerdings, vielleicht hatten die Werber/innen ja die Entwicklung der Frauenbeschäftigung hierzulande im Auge, und vorausschauenderweise wollten sie einfach eine Möglichkeit der Absicherung hervorkehren. Könnte sonst ja in Vergessenheit geraten, das Prinzip Mann bringen Kohle nach Hause, Frau machen Essen zu Hause.

Herold, get the Information, und zwar, dass es einfach nicht mehr passt, auf sexistische Vorstellungen als Werbeträger zu setzen. (bto)

15.03.2005
  • Dumpfgebackene Radiowerbung von Herold
    bild: screenshot herold.at/montage redaktion
    Dumpfgebackene Radiowerbung von Herold
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