Das Beackern von zehn Jahren Geschichte

30. Dezember 2005, 12:25
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"25peaces": Die Aktionen bis zum Herbst

Wien - Die Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. Mai 1945 ist für das Team von 25peaces der Anlass für weitere Aktionen im öffentlichen Raum: Am Heldenplatz werden am 60. Jahrestag die Installationen eingemauert und betrauert, die an den Zweiten Weltkrieg und die NS-Opfer erinnern, abgebaut; gleichzeitig wird ein Gemüsegarten angelegt. Ein Erdäpfelfeld, wie ursprünglich in Analogie zur (Nach)kriegszeit geplant, lässt sich nicht verwirklichen: Die Erdäpfel hätten spätestens im März angebaut werden müssen. beackert will an Zeiten äußerster Not erinnern.

Von 8. bis 29. Mai kredenzen Gastwirte Menüs mit 850 Kalorien - jenem Energiewert, der 1945/46 einer Tagesration entsprach (rationiert). Die Köche sollen sich bei der Auswahl der Gerichte von den kulinarischen Traditionen der Exbesatzer inspirieren lassen.

Von 9. bis 14. Mai will man die Gesetze des Handels aufheben: Ein Schwarzmarkt-Lkw fährt durch Österreich und lädt zum Tauschen ein. Geboten werden diverse Überraschungen. Die Aktion beschafft spiegle "wider, wie der wichtigste Markt der Nachkriegsjahre funktioniert hat".

Auch der Garten des Schlosses Belvedere wurde nach 1945 landwirtschaftlich erschlossen: Sowjetische Truppen ließen Kühe weiden. Ab 8. Mai soll dies nachgestellt werden - allerdings nur mit einigen wenigen Tieren in einem eng begrenzten Areal (beweidet). Und bloß eine Woche lang. Denn es folgt ein Zeitsprung von zehn Jahren:

Am 15. Mai gedenkt "25peaces" der Unterzeichnung des Staatsvertrages. Jede Landeshauptstadt erhält ihren eigenen Belvedere-Balkon - inklusive historischer Besetzung. Alle sind laut Programmbroschüre eingeladen, "dort den Platz Leopold Figls einzunehmen und womöglich ihr eigenes ,Österreich ist frei!' zu rufen" - auch wenn der Kanzler die Worte gar nicht am Balkon von sich gab. Die Aktion befreit will "ein haptisches Geschichtserlebnis" sein.

"Herzlichst, Friedrich"

Die Freiheit wird aber auch eine Woche zuvor mit geschillert thematisiert worden sein: Am 9. Mai, dem 200. Todestag von Friedrich Schiller, will man den "freien Datenverkehr einmal anders" nutzen - und Zitate via SMS verbreiten: "Geben Sie Gedankenfreiheit! Herzlichst, Friedrich".

Weiter geht es mit 25peaces erst im Herbst: Ab 1. September werden die Zonengrenzen in Österreich markiert (geteilt), in Wien sind die Vier im Jeep als "Maler und Anstreicher" unterwegs (geviertelt), und der Sitz des Alliierten Rates wird wiedererrichtet - im Haus der Industrie (besetzt). Teil von 25peaces ist auch die Linzer Klangwolke am 3. September (beschallt). Der Abzug der Alliierten wird klarerweise am 25. Oktober behandelt - in den Wagons der Wiener U-Bahn (verabschiedet). (trenk/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 3. 2005)

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