Drei von zehn nehmen FPÖ nicht in der Regierung wahr

14. März 2005, 14:48
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Unwissenheit und Frustration in Umfrage: 17 Prozent wollen von keiner der Parlamentsparteien regiert werden - Mit Infografik

Linz - Mehr als jeder zehnte Österreicher weiß nicht, dass in der Bundesregierung Parteigänger der ÖVP sitzen, beinahe drei von zehn Befragten nehmen die Freiheitlichen als Regierungspartei nicht mehr wahr. Das geht aus einer market-Umfrage für den STANDARD hervor, die noch vor Ausbruch der aktuellen Turbulenzen in der FPÖ durchgeführt wurde.

market-Studienleiter David Pfarrhofer verweist darauf, "dass offenbar ein beachtlicher Teil der Österreicher die aktuellen politischen Entwicklungen so wenig verfolgt, dass die reine Wissensfrage, welche Parteien in der Bundesregierung vertreten sind, nicht richtig beantwortet werden kann. Da stellt man dann auch fest, dass 18 Prozent meinen, die SPÖ stelle derzeit Mitglieder der Bundesregierung, obwohl das bekanntlich seit fünf Jahren nicht mehr der Fall ist. Sieben Prozent meinen sogar, dass die Grünen mitregieren."

Acht Prozent konnten in der market-Umfrage keine einzige Partei als Regierungspartei benennen. Besonders stark ist das politische Unwissen bei jüngeren und bildungsfernen Befragten verbreitet: Dort wird die SPÖ in hohem Maße als Regierungspartei gesehen und die FPÖ besonders schwach wahrgenommen.

Auffallend sei auch, dass etwa jeder fünfte deklarierte SPÖ-Wähler die SPÖ als Teil der Bundesregierung vermutet; dasselbe gilt auch für jeden siebenten ÖVP-Wähler.

ÖVP und SPÖ liegen auch deutlich vorne, wenn es um die Frage geht, welche Parteien in einer künftigen Bundesregierung Ministerposten besetzen sollen: 62 Prozent wollen, dass die ÖVP in der Regierung vertreten ist, 39 Prozent sagen dasselbe von der SPÖ.

17 Prozent nennen allerdings gar keine der vier Parlamentsparteien als wünschenswerte Regierungsparteien.

Pfarrhofer: "Wir haben nicht klar nach Koalitionsmodellen gefragt, aber der Wunsch nach einer Regierungsbeteiligung der ÖVP und in etwas geringerem Maße der SPÖ ist sehr deutlich."

Wobei Pfarrhofer den Wunsch, die ÖVP in der nächsten Regierung zu haben, relativiert: "Die Leute nehmen gerne an, dass das Gewohnte weitergehen soll, daher bekommen die derzeitigen Regierungsparteien in dieser Fragestellung einen besonders großen Bonus. Selbst die FPÖ, die ja in allen Umfragen unter zehn Prozent liegt, wird im Sinne der Kontinuität von jedem dritten ÖVP-Wähler, aber auch von jedem siebenten SPÖ-Wähler in der nächsten Regierung gewünscht."

Wenig Wechselwille

Ein weiteres Indiz ergibt sich aus den Antworten auf die Frage: "Haben Sie den Eindruck, dass sich unser Land so alles in allem in die richtige Richtung entwickelt oder ist dies eher nicht der Fall?"

[] 57 Prozent sagen, das Land entwickle sich richtig - ein scharfer Kontrast zu den 39 Prozent, die diese Meinung im von Streiks und Pensionsreform geprägten Herbst 2003 vertraten.

[] 37 Prozent sagen, die Richtung wäre "eher nicht" richtig, aber selbst bei Oppositionswählern ist die Mehrheit für diese Haltung nicht sehr groß. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.3.2005)

Von Conrad Seidl
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