Biometrische Daten für die sichere Reinigung

25. Mai 2005, 09:53
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Welche Verbindung besteht üblicherweise zwischen Fingerabdrücken und Putzpersonal? Letztere wischen Erstere ab

Eine Wiener Reinigungsfirma setzt auf Top Security Service.


Bei der Wiener Reinigungsfirma ASSA müssen sich Mitarbeiter per Fingerprint identifizieren, um Zutritt zu den Räumlichkeiten von Kunden mit sensiblen Daten zu erhalten.

Top Security Service Reinigung (TSS) nennt sich dieses neue Verfahren, das neben einem Fingerprint-Scan beim Kunden außerdem eine umfassende Überprüfung der Mitarbeiter beinhaltet: Gecheckt werden neben Arbeits-und Aufenthaltsbewilligung der fast ausschließlich aus dem Ausland stammenden Reinigungskräfte auch deren Leumundszeugnis und ihre persönliche Lebenssituation, also Sprachkenntnisse, Familien- und wirtschaftliche Verhältnisse sowie einiges mehr. "Natürlich erfolgt diese Überprüfung nur auf freiwilliger Basis", betont Roland Singer, ASSA-Eigentümer und Geschäftsführer.

Nur wer eine gewisse Punktanzahl auf seiner Personal Security Score Card aufweist, darf künftig mit rund zehn Prozent höherem Stundenlohn bei Kunden mit sensiblen Daten putzen - etwa Anwälten und Wirtschaftstreuhändern, Banken und Versicherungen, aber auch Botschaften, Ministerien und internationalen Konzernen. Mitarbeiter, die sich dieser intimen Durchleuchtung nicht unterziehen wollen, bleiben auf die herkömmlichen Reinigungsjobs beschränkt.

Um Zutritt zu den Räumlichkeiten von TSS-Kunden zu bekommen, muss jeder Mitarbeiter sich vor Ort mittels Fingerabdruck-Scan ausweisen. Erst dann ist - auf Kundenwunsch auch nur für begrenzte Zeit und mit Check-in-/Check-out-Erfassung - das Betreten der Büros möglich. "Außerdem erhalten unsere Teams spezielle Anweisungen, etwa dass sie in hochsensible Bereiche keine Handys mit Kamerafunktion mitnehmen sollen", erklärt Singer.

Das Know-how zur Entwicklung von TSS beruht nicht allein auf Singers Erfahrungen: Als Projektpartner konnte der ehemalige Leiter der österreichischen Antiterroreinheit Cobra, Wolfgang Bachler, gewonnen werden. Er verweist auf die ständig steigende Kriminalitätsrate in Österreich, insbesondere in den Bereichen Vermögensdelikte, Wirtschaftskriminalität und -spionage sowie Integritätsverletzungen.

"Putzfirmen wird in Österreich oft ein geradezu naives Vertrauen entgegengebracht, und das, obwohl bei Diebstählen fast immer zuerst das Reinigungspersonal verdächtigt wird", so Bachler. Das neue Sicherheitssystem, das Singer durch die Einstellung eines Security Managers und die freiwillige Abgabe von DNA-Proben seiner Mitarbeiter noch zu erweitern plant, ermögliche so gegebenenfalls auch den Unschuldsbeweis seiner Angestellten.

Singer ist überzeugt davon, dass sich die über 130.000 Euro Entwicklungskosten von TSS bald amortisiert haben werden: "Ich wage zu behaupten, dass dieses Sicherheitssystem, das zum Beispiel schon bei Deloitte & Touche oder dem Raiffeisen Service Center (RSC) im Einsatz steht, in zwei Jahren Standard in Österreich sein wird." Die Kunden müssen für das minimierte Sicherheitsrisiko rund 25 bis 30 Prozent Mehrkosten rechnen.
(Der Standard, Printausgabe 12./13.03.2005)

Von Marie-Thérèse Gudenus
  • Für Zutritt zu Top-Security-Service-Kunden müssen sich die ASSA-Mitarbeiter per Fingerprint ausweisen.
    foto: assa

    Für Zutritt zu Top-Security-Service-Kunden müssen sich die ASSA-Mitarbeiter per Fingerprint ausweisen.

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