Kommentar: Harte Bandagen

9. Mai 2005, 14:25
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Claudia Ruff zum Nachspiel rund um die Vergabe des EM-Stadions in Klagenfurt

Das letzte Wort ist in der Auftragsvergabe beim Kärntner EM-Stadion an den Wiener Baukonzern Porr noch lange nicht gesprochen. Die Kärntner Strabag bezweifelt, dass der Auftrag an den Best- und Billigstbieter geht und beeinsprucht nun das Verfahren. Das ist das gute Recht jedes Unterlegenen, und es war auch zu erwarten, dass die Strabag die Entscheidung nicht kommentarlos zur Kenntnis nimmt. Wahrscheinlich hat sich die Firma von Hans Peter Haselsteiner gute Chancen ausgerechnet, in Kärnten zum Zug zu kommen.

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, dem die Strabag mit ihren 1900 Mitarbeitern in Kärnten natürlich sehr am Herzen liegt, macht nun Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher als Bauherr für eine Verzögerung oder gar das Platzen der EM verantwortlich. Scheucher wäre auch der Adressat einer möglichen millionenschweren Schadenersatzklage, die die Strabag-Anwälte für den Fall, dass sie nicht mehr zum Zug kommen, in Aussicht stellten.

Mit den Druckmitteln eines möglichen Platzens der Fußball-EM oder teuren Schadenersatzklagen soll der VP-Bürgermeister offenbar in die Knie gezwungen werden. Vielleicht erwartet sich die Strabag, dass Scheucher als Bauherr die Porr veranlasst, die Strabag am 60-Millionen-Euro-Auftrag zu beteiligen. Bis jetzt zeigen beide Härte und lehnen ab.

Dass die Vorkommnisse rund um die Auftragsvergabe dem Image der Strabag jedenfalls nicht förderlich waren, bestätigen mittlerweile auch ihre Anwälte. Geht es in der herben Tonart weiter, haben nicht nur die Strabag, sondern auch ihr Hälfteeigentümer, Raiffeisen (samt der börsennotierten Uniqa-Versicherung) und der Weltkonzern Siemens als Mitglied des Strabag-Konsortiums ein Imageproblem. (DER STANDARD Printausgabe 12.03.2005)

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