"Klick und weg" - Die Reisebranche geht online

18. März 2005, 10:33
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Reisebürosterben droht aber dennoch vorerst nicht

Sie heißen "Klick und weg", "Mix&Travel" oder schlicht "weg.de". In der Reisebranche richten sich jetzt alle Augen auf das Internet. Online-Angebote sind ein großes Thema auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), die am Freitag in Berlin begann. Was aus den Geschäftshoffnungen der neuen Anbieter aber wird, ist ungewiss.

Kein Sterben

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple, ist überzeugt, dass der klassische Vertrieb im Reisebüro auch künftig der bei weitem am meisten genutzte Buchungsweg sein wird. "Ein Reisebürosterben gibt es nicht", sagte Laepple.

Dennoch wollen im Internet alle mitmischen. Auch die großen Reiseveranstalter hoffen auf ein Stück von dem Kuchen, den Branchenexperten 2005 auf ein Umsatzvolumen von acht Mrd. Euro schätzen, nach 6,7 Mrd. Euro 2004 und fünf Mrd. Euro 2003. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz der deutschen Reiseveranstalter lag im vergangenen Jahr bei 19 Mrd. Euro.

touropa

Auch Branchenprimus TUI stellte auf der ITB eine neue Online-Tochter vor. Unter dem traditionsreichen Namen "touropa", der schon in Wirtschaftswunder-Zeiten bunte Urlaubsträume versprach, ging der Anbieter jetzt an den Start. Die TUI ist mit 40 Prozent daran beteiligt. Der Unternehmer Georg Eisenreich, der im Veranstalter- Geschäft jahrelange Erfahrungen hat, hält 60 Prozent.

Dem Trend zur maßgeschneiderten Pauschalreise wolle man folgen, sagt Eisenreich. Anders als bei anderen Online-Reisebüros bucht der Urlauber bei "Touropa.com" nicht alle Bausteine einzeln, sondern ein selbst zusammen gesetztes Paket aus Flug, Hotel, Reiseleitung, Transfer und den verschiedensten anderen Service-Leistungen je nach Wunsch.

Anpassung

Für den Veranstalter hat dies den Vorteil, dass er auch die Preise nach dem jeweiligen Buchungsstand immer wieder neu anpassen kann - und zwar nach unten und nach oben, wie Eisenreich betont. Die klassischen Reiseveranstalter führten dagegen nur zwei Mal im Jahr Preisverhandlungen etwa mit Hoteliers oder Fluggesellschaften. Dann gelte dieser Preis für Monate.

Euphorisch

Doch viele Branchenexperten warnen vor allzu großer Euphorie. Zwar werde das Geschäft im Internet wachsen, aber viele Urlauber seien immer noch überfordert damit, sich ihre Reise aus den Online-Angeboten selbst zusammen zu buchen, meint auch der Tourismusforscher Karl Born von der Fachhochschule in Wernigerode. Das gelte besonders für die Haupturlaubsreise im Jahr. Da setze man auf Kataloge, persönliche Beratung und das Reisebüro seines Vertrauens.

Die wichtigste Zielgruppe der Online-Reisebüros sind die Billigflieger-Kunden. Denn die sind das Buchen im Internet gewohnt. Aber das Problem sei eben oft, dass man zwar einen billigen Flug bekommen hat, aber kein entsprechendes Hotel dazu, sagte Laepple. Das Reisebüro bleibe mit einem Anteil von über 90 Prozent aller organisierten Reisen der von den Verbrauchern am meisten genutzte Vertriebsweg für Veranstalterreisen.

Information

Und außerdem führt nicht jeder Mausklick auch zur Buchung. Viele Besucher in den Internet-Reisebüros informieren sich nur. Tourismusforscher haben herausgefunden, dass zwar 62 Prozent der Verbraucher sich im Netz über Reiseangebote informieren, aber nur 1,5 Prozent derjenigen, die eine Homepage besuchen, entschlössen sich dann auch zu einer Buchung. (APA)

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