Volkswirt: Alter auch in Zukunft finanzierbar

17. März 2005, 20:27
1 Posting

Gunther Tichy: Die so genannte demographische Belastung wird um ein Vielfaches überschätzt

Wien - Mit immer wieder geäußerten Bedenken bezüglich der Unfinanzierbarkeit künftiger Pensionen räumte der Direktor des Instituts für Technologiefolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Gunther Tichy, anlässlich des in Wien stattfindenden Kongresses "Altern ist Leben" auf. Die so genannte demographische Belastung werde um ein Vielfaches überschätzt, so der Experte.

Das immer wieder angeführte Argument, dass den Arbeitstätigen in Zukunft immer mehr Alte über 65 Jahre gegenüber stehen werden, sei zwar richtig, aber nur ein Teil der Wahrheit. Man dürfe nicht Junge und Alte gegenüber stellen, sondern Berufstätige und Nicht-Berufstätige. Durch die Einbeziehung der noch nicht Berufstätigen, der Arbeitslosen und der Frühpensionisten ändere sich das Bild dramatisch, so Tichy. So stehen schon heute jedem Arbeitenden 0,8 Nicht-Arbeitende - also Kinder, Alte, Arbeitslose und Frühpensionisten - gegenüber. Diese Belastung werde bis 2050 lediglich auf 0,9 steigen und somit durchaus verkraftbar ausfallen. Von einer Verdopplung der Belastung - wie im "Alte-Junge-Vergleich" immer wieder behauptet - sei man jedenfalls weit entfernt.

Prognosen

"Demographische Prognosen zeigen, dass es in Zukunft weniger Unter-20-Jährige geben wird, und dieser Rückgang der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter wird zu einer Anspannung des Arbeitsmarktes führen", so Tichy. Als Folge sollten die Zahl der Arbeitslosen und Frühpensionisten "kräftig schrumpfen".

Für eine Einschätzung der zukünftigen Verhältnisse dürfe außerdem das Wachstum der Wirtschaft (genauer der Produktivität) nicht außer Acht gelassen werden. Bei einem Wachstum von bloß einem Prozent pro Jahr werde das pro Kopf-Einkommen 2050 um zwei Drittel höher sein als heute.

Umfragen

Umfragen würden zeigen, dass viele Bürger zu Beitragserhöhungen durchaus bereit seien. 85 Prozent - und keineswegs bloß die Alten - wollten ein staatlich garantiertes Pensionssystem, das den Lebensstandard sichert. Zwei Drittel würden eine Beitragserhöhung einer Pensionskürzung deutlich vorziehen. Angesichts der klaren Präferenzen sollte die Dominanz des Umlageverfahrens für die österreichische Pensionsversicherung außer Streit gestellt werden, forderte Tichy.

Beim Kongress "Altern ist Leben" der ÖAW wird das Thema von den verschiedensten Seiten beleuchtet. So sind Naturwissenschafter wie Geisteswissenschafter angekündigt. Medizinische Schwerpunkte sind etwa "Impfungen", "Hauptsächliche Erkrankungen im späten Leben" oder "Chancen und Grenzen der Beeinflussung von Alternsprozessen". Auch Probleme der Pflege und Rehabilitation werden beleuchtet. (APA)

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/moser
Share if you care.