ABS-Fonds als Geldmarktersatz?

22. März 2005, 14:39
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Das niedrige Zinsumfeld lässt Anleger nach Geldmarkt-Alternativen suchen - Asset Backed Securities Fonds bieten sich hier an, wobei die Performanceunterschiede der angebotenen Produkte durchaus gravierend sind

Geldmarktfonds bzw. geldmarktnahe Rentenfonds erfreuen sich trotz des niedrigen Zinsumfeldes weiterhin großer Beliebtheit. In Österreich etwa wuchs das in diese Assetklasse investierte Volumen seit Ende 2003 bis Januar 2005 um 55 Prozent auf mittlerweile fast 10,5 Mrd. Euro an. Zum Vergleich: Anleihenfonds legten nur um 10 Prozent, Aktienfonds um 18 Prozent zu.

Sinkende Performance der Geldmarktfonds

Während sich die besten Euro-Geldmarktfonds auf Sicht der letzten 10 Jahre mit Renditen knapp unter vier Prozent (Spängler Cash Trust 3,79 Prozent / Raiffeisen-Euro-Liquid 3,71 Prozent / dit-Eurogeld 3,70 Prozent) als gute Alternative zum Sparbuch präsentierten, waren die Erträge aufgrund des niedrigeren Zinsumfeldes zuletzt naturgemäß geringer. Während der 10-Jahres-Durchschnitt aller 84 Euro-Geldmarktfonds (Vertriebszulassung Österreich, Deutschland oder Schweiz) bei immerhin 2,6 Prozent p.a. liegt, sank der Schnitt auf 1,8 Prozent in den letzten 12 Monaten. Auch die Top-Fonds konnten sich dem niedrigeren Zinsumfeld nur schwer entziehen: Während der Spängler Cash Trust immerhin noch 3,6 Prozent erzielte, liegt der Raiffeisen-Euro-Liquid seit März 2004 mit 2,3 Prozent, der dit-Eurogeld nur mit 1,5 Prozent im Plus. Zum Vergleich: Die Inflationsrate betrug in der EU 2004 2,0 Prozent.

Asset Backed Securities liegen im Trend

Als Alternative zu reinen Geldmarktfonds bieten sich seit einigen Jahren Fonds an, die in Asset Backed Securities investieren. Asset Backed Securities sind illiquide Forderungen (wie Hypotheken, Kreditkarten oder Automobilfinanzierungen), die in handelbare, verzinsliche Wertpapiere umgewandelt wurden. Im Zuge dieses Prozesses werden die ABS in verschiedene Tranchen aufgeteilt, welche der Schuldner - gestaffelt nach der Bonität - mit unterschiedlichen Zinssätzen ausgestattet.

Unternehmen und Finanzinstitute nutzen dieses Verfahren zum Beispiel, um ihre Bilanzkennzahlen zu verbessern und sich mit Kapital zu versorgen. Ein Vorgehen, das in den letzten Jahren verstärkt Einsatz gefunden hat. Dementsprechend hat sich auch das Volumen dieser Wertpapiere in den zuletzt stark vergrößert. Laut Daten der Deutschen Bank stieg das ausstehende Volumen von europäischen ABS seit 1997 von 100 auf 900 Mrd. Euro Ende 2003 an, wobei 2004 noch einmal 250 Mrd. Euro an Neuemissionen dazu gekommen sind.

Begrenztes Produktangebot bei globalen Fonds

Reine ABS-Fonds gibt es dagegen noch nicht sehr lange. Der älteste, und auf 12 Monats-Sicht mit +9,1 Prozent Performance auch der performancemäßig beste, ist der global anlegende FT-ABS Plus. Aufgelegt im Dezember 2000 investiert er jedoch nur schwerpunktmäßig in Asset Backed Securities und auch hier eher in höherverzinste Papiere. Außerdem legt er in High-Yield-Anlagen und Titel aus den Emerging Markets an. Einen weiteren globalen ABS Fonds hat die HSBC im Angebot: Der HSBC Trinkaus ABS von Mirja Wenski (ZAIS Group) liegt auf Sicht der letzten 12 Monaten allerdings nur um 3,2 Prozent zu und wendet sich mit einem aktuellen Anteilswert von über 10.000 Euro eher an institutionelle Investoren.

Euro ABS-Fonds im Vergleich

Bei europäische ABS Fonds ist das Angebot dagegen bereits größer: Der im April 2003 aufgelegte Euro ABS Income Fund der UNIQA führt mit einer 12-Monats-Performance von 4,1 Prozent das Feld an. Der seit Dezember 2003 am dritten Markt der Wiener Börse gelistete Fonds, ist mit einem Minimuminvestment von einer Million Mio. Euro jedoch nur Großanlegern zugänglich. Als Ziel hat sich der Fonds eine Outperformance von LIBOR + 70 Basispunkten gesetzt. „Das Durchschnittsrating beträgt dabei A-“, beschreibt Philipp Mayer von UNIQA Alternative Investments, die für das Management verantwortlich ist. Aufgrund der weiterhin starken Nachfrage nach ABS-Papieren, rechnet Mayer bis Ende 2005 mit einer weiteren Einengung der Spreads und einem demzufolge positiven Umfeld für den Fonds. „Die gute Entwicklung der Jahre 2001-2004 sollte man jedoch nicht hochrechnen“, bremst er vor allzu hohen Erwartungen.

Pierre Annutsch: "ABS sind Commodity"

Eine ähnliche Anlegepolitik verfolgt der von Pierre Annutsch verwaltete Oppenheim Asset Backed Securities Fonds, welcher sich mit einem aktuellen Anteilswert von über 103.000 Euro allerdings auch nur an größere Anleger wendet. „Langfristig streben wir mit einem Durchschnittrating von A- einen Mehrertrag von 75 Basispunkten gegenüber dem 3-Monats-Euribor an, wobei die einzelnen Positionen des Fonds Investment Grade sein müssen“, schildert Annutsch. Die weiteren Aussichten sieht er ebenfalls positiv: „Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ABS keine neue Finanzinnovation mehr ist, sondern sich zunehmend zu einem Commodity entwickelt hat. Und es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend in den nächsten Monaten und Jahren fortsetzen wird“, so der Experte. Die Spreadunterschiede gegenüber herkömmlichen Geldmarktfonds sollten sich zwar weiter leicht einengen, trotzdem noch einen interessanten Aufschlag gegenüber alternativen Produkten bieten“, so der Experte, dessen Fonds seit März 2004 um 3,5 Prozent zulegen konnte.

Ebenso optimistisch gibt sich Frank Laufenburg, Fondsmanager des Julius Baer ABS Fund: „Wachstumstreiber bei ABS dürften neben der gewerblichen und privaten Immobilienfinanzierung insbesondere die Verbriefung von Mittelstandskrediten und Not leidenden Kreditportfolios (so genannte „non-performing loans“) sein. Daneben sieht es so aus, dass der Markt auch von staatlicher Seite wieder verstärkt in Anspruch genommen wird, um die Defizitprobleme der öffentlichen Kassen im EU-Raum zu reduzieren. Italien wird hier mit einer milliardenschweren Immobilientransaktion den Vorreiter spielen. Gleichzeitig werden die Bonitätsaufschläge weiterhin gering bleiben“, so Laufenburg, der mit einem Zielrating des Fonds von A, eine Outperformance von 70-75 Basispunkten zum der Euribor erwirtschaften will.

Fazit

ABS-Fonds erscheinen auf den ersten Blick als idealer Ersatz für Geldmarktfonds. Dabei sollten Anleger jedoch nicht darauf vergessen, dass diese Fonds im Unterschied zu Geldmarktfonds nicht nur in Papiere mit AAA-Rating investieren sondern im Schnitt ein Durchschnittsrating von A- aufweisen. Das leicht erhöhte Bonitätsrisiko wird demzufolge mit einer besseren Performance von 60-80 Basispunkten pro Jahr belohnt.

LINK: Den gesamten Artikel mit Fondstabelle finden Sie hier.

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