Tanktouristen stören Prölls Schadstoffbilanz massiv

Redaktion, 21. März 2005 15:38
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Fast ein Drittel der Tankstellen-Kunden kommen aus dem Ausland - mit Infografik

Brüssel - "Es hat mich überrascht, wie viel das ist." Umweltminister Josef Pröll gab sich von den Ergebnissen der Studie, die er Donnerstag in Brüssel vorstellte, selbst erstaunt. Laut der Untersuchung der Technischen Universität Graz zieht es immer mehr Autofahrer über die Grenzen, um in Österreich günstig zu tanken.

Vor allem Deutsche füllen ihre Tanks gern im kleinen Grenzverkehr. Laut der Studie werden zwischen acht und zwölf Millionen Fahrten pro Jahr nur mit dem Zweck Tanken zwischen Österreich und Deutschland unternommen.

Tanktourismus bringt 800 Millionen Euro pro Jahr

Das freut zwar den Finanzminister, der so jährlich 800 Millionen Euro einnimmt. Für Pröll ist das eine Belastung: Denn die Statistiker verbuchen die Kohlendioxidemissionen auf das Konto jener Staaten, in denen getankt wurde – egal, wo Benzin oder Diesel verfahren wird. Laut Pröll entfielen 2003 fast 30 Prozent oder 7,3 Millionen Tonnen der Österreich zugerechneten Verkehrsemissionen auf Tanktouristen aus dem Ausland. Damit sind, so Pröll, die Grenztanker mit Schuld daran, dass der österreichische Trend bei CO-Emissionen steil nach oben zeigt.

Laut Kioto-Prokoll müsste Österreich seinen Treibhausgas-Ausstoß bis 2010 um 13 Prozent gegenüber 1990 drosseln. Statt dessen steigt er: Schon 2002 lagen die Emissionen um satte 14 Prozent über denen von 1990. Wer das Klimaziel verfehlt, muss Pönale zahlen. Pröll warb Donnerstag beim EU-Umweltministerrat in Brüssel dafür, die Emissionen anders anzurechnen. Denn bis zu zehn Prozent der vorgeschriebenen Reduktion könnte sich Österreich durch eine Anrechnung des Tanktourismus sparen.

Tanktourismus gegen Tempo 160

Die Reaktion des deutschen Umweltministers Jürgen Trittin war lapidar-ablehnend: "Ich glaube nicht, dass Tanktourismus das eigentliche Problem der österreichischen Klimabilanz ist. Der Vorstoß für Tempo 160 ist gravierender."

Die österreichische Opposition hatte Lösungsvorschläge: SPÖ-Umweltsprecher Jan-Kai Krainer forderte, der Finanzminister sollte einen Teil des "Tanktourismus-Körberlgeldes" für Klimaschutz zur Verfügung stellen. Die Grünen verlangten eine gerechtere Dieselbesteuerung.

Eine Erhöhung der Mineralölsteuer, etwa auf deutsches Niveau, lehnt Pröll strikt ab: "Mit steuerlichen Belastungen verschiebt man nur das Problem von einem Staat auf den anderen." (Eva Linsinger aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.3.2005)

Kommentar posten
13 Postings
holodoc himself
 
11.03.2005 18:16
Wenn einmal der Markt funktioniert ...

Wozu haben die Deutschen den Treibstoff besteuert?
Richtig um die Emissionen zu senken. Klar, daß nach dem Wegfall der Grenzen ein paar Unbelehrbare weiterhin versuchen billig an Sprit zu kommen.

Aber was passiert?
Unser Finanzminister freut sich über die unverhofften Einnahmen, nur der Landeshauptmann meckert, will aber das einzig Richtige nicht tun.

Europa funktioniert nur wenn es um die Interessen der Reichen geht (Kapital-, Dienstleistungs und Warenverkehr), bei Umwelt- und sozialen Anliegen gibt es unterschiedliche Gesetze und die passenden Lücken dazu.

Das nennen jene die von Billiglöhnen und Umweltzerstörung profitieren "Wettbewerb"

garlic
 
11.03.2005 10:30
pröll sollte auch die richtigen schlüsse ziehen

und den echten problemen, sein augenmerk zuwenden. da wäre auch das grundwasser und der zustand der uberdüngten böden von bedeutung. aber natürlich, auch die gewaltigen emissionen, die LKW schadstoffausstoßungen, aber die gehören ja zur klientel, oder seilschaft, die verursacher.
was spielt sich denn in den nachbarstaaten an imissionen mit rotweißroten mascherln ab, die wir weiterverfrachtet haben.
warum muß denn österreich den treibstoff so billig abgeben? warum wird den gebietskörperschaften aus den einnahmen nichts weitergegeben, die heizkostenzuschüsse zahlen.
da ist doch eine menge faul in prölls beurteilungen.

Dominik 'Aeneas' Schnitzer
11.03.2005 09:45
seit wann muss man an der tankstelle seine nationalität angeben?

oder wie wird diese statistik produziert?

ist doch klar dass dem land wo getankt wird, auch das co2 angerechnet wird... Das ist _nachvollziehbar_, wie man zu diesen Tanktourismuszahlen kommt ist mir eher rätselhaft.

die umweltpolitik von pröll beschränkt sich darauf berechnungsarten zu ändern. sauber.

grann biszkotow
11.03.2005 09:37
Jürgen Trittin

Die Grünen ... ich lach' mich tot ... O-Ton von Joschka Fischer 1998 nach der Wahl zur Frage, wie seine Partei die Verkehrspolitik in Deutschland gestalten will, wenn die Grünen in die Regierung eintreten: "Als ökologische Partei sind wir in Deutschland natürlich für ein Tempolimit, was bei 100 km/h liegen sollte". Ja nee, alles klar ...

garlic
 
11.03.2005 10:41
sind sie schon wieder unter den lebenden? fein

eine sehr treffend äußerung, deutscher politker, war das gewiß nicht, aber ich habe verständnis.
einmal platzt ihnen halt der kragen. welches land hat schon gerne, wenn ein völlig inkompetenter finazminister wie grasser ständig pöbelhafte kritik an unserem nachbarland übt.

aber eines ist klar, wenn staaten, wie in diesem fall österreich nicht vor der eigenen tür kehren, dann ist nichts im griff zu bekommen. da müssen nationale programme, eu-weit abgestimmt, entwickelt werden.
die haltet den dieb -methode, wie sie pröll versuchte, führt zu nichts.

grann biszkotow
11.03.2005 09:32
Danke ...

... für die 'gut' lesbare Grafik ...

PV
11.03.2005 08:16
Quod licet Iovis, non licet bovis.

"Ich glaube nicht, dass Tanktourismus das eigentliche Problem der österreichischen Klimabilanz ist. Der Vorstoß für Tempo 160 ist gravierender." Typisch deutsch: In einem Land, in dem einem die Autofahrer legal mit 200 km/h in den Kofferraum zu fahren scheinen, regt sich Kritik an der österreichischen Anhebung des Tempolimits auf 160. Auch an den strengen Kriterien der Währungsunion hat man gesehen: Deutschland scheint manche Werte nur für andere gelten zu lassen. Quod licet Iovis, non licet bovis.

pivos pivos
11.03.2005 07:55
na ja

kaufen wir halt um 60 mio € zertifikate für die 8 mio to CO2. es gibt ohnehin länder die klimaschutz ernst nehmen, die haben freie zertifikate zu verkaufen. und ein geschäft für österreich ist es auch.

garlic
 
10.03.2005 23:00
eine äu8erst interessante sicht des "umwelt"ministers

statistisch und als luftfracht kommen wohl schadstoffe nach österreich. aber von österreich , so meint der minister offenbar, wird nichts per luftfracht in die nachbarstaaten an schadstoffen verfrachtet.
da lachen aber die glücklichen freilandeier legenden hühner.

Stuffi
10.03.2005 22:12
Die Ausländer sind Schuld!

Tanktouristen, Kriminaltouristen - alles die selbe Baggage.

Der Preis für die dümmste Ausrede des Jahres geht wohl schon im März an Pröll.

Wei Xi
10.03.2005 19:39
Zum Totlachen

Eine Steuerharmonisierung will er nicht, der Pröll. Soetwas verschiebt ja schließlich nur das Problem von einem Staat zum anderen. Klar.

Aber er will die Emissionen des Tanktourismus anderen Staaten zuschieben. Sehr konsequent, Herr Pröll :) Eine andere Anrechnung ist nämlich eine echte Lösung und wesentlich mehr als eine reine Verschiebung des Problems von einem Staat zum anderen.

Diese Politiker sind solche Witzfiguren, es ist zum zerkugeln.

gerhard maierhofer
10.03.2005 19:29
na da wirkt..

..das kyoto protokoll doch wenn tanktourismus für uns zum problem wird.

owen breon3
10.03.2005 19:32
exakt

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