Vervollständigte Ohrwürmer

13. März 2005, 15:30
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Bei vertrauten Melodien setzt sich die Kortexaktivität auch bei fehlenden Musikteilen fort

Dartmouth - Wissenschafter des Dartmouth College haben herausgefunden, was eine Melodie zu einem Ohrwurm macht. Das Team um David Kraemer lokalisierte jene Gehirnregion, in der das Eingängige einer Melodie erkannt wird. Freiwilligen wurden Melodien mit fehlenden Teilen vorgespielt. Die Untersuchung der Gehirnaktivität mittels MRI ergab im so genannten auditiven Kortex eine Konzentration. Dabei handelt es sich um den Bereich, der durch die Ohren aufgenommene Informationen verarbeitet. Wurden vertraute Melodien abgespielt, setzte sich die Kortexaktivität auch während der fehlenden Teile fort. Die Teilnehmer gaben in der Folge an, die fehlenden Teile trotzdem "gehört" zu haben. Die Ergebnisse der Studie wurden in Nature veröffentlicht.

Zu den vorgespielten Musikstücken gehörten Satisfaction von den Rolling Stones und die Titelmelodie von The Pink Panther. Kraemer erklärte laut BBC, dass die Teilnehmer nicht verhindern konnten, dass sie vertraute Melodien in ihrem Kopf vervollständigten. Es zeigte sich zusätzlich, dass es bei der Gehirnaktivität einen Unterschied machte, ob das Musikstück über einen Text verfügte. Blieb die Musik während eines Instrumentaltitels wie dem Thema von Pink Panther ruhig, wurden viele verschiedene Bereiche des auditiven Kortex aktiviert um die fehlenden Teile aus der Erinnerung zu rekonstruieren. Bei Songs mit Text verließen sich die Teilnehmer einfach auf die fortgeschritteneren Teile der auditiven Verarbeitung. Das lasse laut Kraemer den Schluss zu, dass der Text im Mittelpunkt der Erinnerung stehen könnte.

Der Mitautor Bill Kelley erklärte, dass diese Forschungsergebnisse bestätigten, dass sinnesspezifische Wahrnehmungen, die mit dem Sehen, Geräuschen oder Gerüchen zusammenhängen, in die Gehirnregionen gespeichert werden, die diese Informationen ursprünglich verarbeiten. "Bisher wussten wir jedoch nicht, ob die gleichen Regeln für die komplexeren Bilder im Alltag ebenfalls gelten." Es sei unwahrscheinlich, dass Erinnerungen nur in einer bestimmten Gehirnregion gespeichert werden, da häufig mehr als ein Sinn beteiligt ist. "Erinnert man sich an ein bestimmtes Lied, werden die auditiven Regionen des Gehirns aktiviert, die ihrerseits zu einer sehr deutlichen visuellen Erinnerung führen können." (pte)

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    foto: photodisc
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