Glanzvolle Rückkehr

22. Juli 2005, 23:38
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Ob Metallic-Look oder Videogame-Optik: Designer aller Sparten rütteln die Tapete aus ihrem Dornröschenschlaf und gehen wieder die Wände hoch

foto: markus benesch/rasch/tapetenfirma marburg
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Wir befinden uns im Bauch einer beliebigen Metropole, umzingelt von Werbeflächenwäldern und blinkenden Neonchiffren, penetriert von der gnadenlosen Signalfarben-Palette der Konsumgesellschaft. Und sehen zu Hause am liebsten auf weiße Wände. Denn was sonst, wenn nicht kalkiges, Ruhe verströmendes Weiß käme in diesem Fall als Überlebensstrategie infrage? Schließlich hat man die Schichten der Vergangenheit ja nach dem ersten Wohnungsumzug schon hinter sich gelassen.
Mehrere Generationen mit einem einzigen, kräftigen Anreißen, so sieht die Praxis beim Restaurieren alter Wohnungswände aus, und nicht selten tauchen dabei die Moden des 20. Jahrhunderts wie in einem rückwärts abgespulten Experimentalfilm wieder auf. Orangebraune Holzhammer-Dekos der 70er-Jahre, psychedelische Regenbogen mit Pop-Art-Konnex, darunter Fetzen undefinierbarer Blümchen, vielleicht auch abblätternde Wandbemalung, im Pastellgrün der Fifties, aber mit Walzenmustern aus den Vorkriegsjahren ausgeführt. Dann vielleicht gar noch Ölfarbe, der Horror aller Restaurierer, und Unterputz und aus.

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