Bedrohter Iberischer Luchs

16. März 2005, 14:04
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WWF fordert drastische Sofortmaßnahmen der EU zum Schutz der seltensten Wildkatze der Welt

Wien - 10.000 Jahre nach dem Aussterben der letzten Großkatze, dem mächtigen Säbelzahntiger, könnte der Iberische Luchs die nächste Großkatzen-Art sein, die ebenfalls für immer ihr Dasein beendet. Nur durch drastische Sofortmaßnahmen seitens der EU und vor allem Spaniens könne der Iberische Luchs noch gerettet werden, schreibt der WWF in einer Aussendung am Donnerstag. Bei einem derzeitigen Bestand von nur 100 Tieren trage die EU durch die Förderung von Straßen- und Staudammprojekten aktiv zur Gefährdung bei. "Wir fordern daher, dass das gesamte Areal des Iberischen Luchses unverzüglich in die Liste der EU Natura 2000 Gebiete inkludiert wird", so Beate Striebel vom WWF Österreich.

Die letzten umfassenden Bestandsaufnahmen der Spanischen Regierung (2004) ergaben, dass derzeit nur noch zwei isolierte Populationen des Iberischen Luchses im Süden Spaniens leben. Die gesamte Population besteht aus 100 Tieren, davon nur 25 fortpflanzungsfähige Weibchen. Erst zwei Jahre zuvor wurde der Bestand noch auf 160 Tiere geschätzt. Der Unfalltod auf Spaniens immer größer werdendem Straßennetz, ist der Hauptgrund der hohen Verluste. Bereits seit 2 Jahren fordert der WWF von der Spanischen Regierung die Schließung einer Straße (Villamanrique-El Rocio), welche das Herz des Doñana Naturparks kreuzt und somit den Lebensraum des Iberischen Luchses durchschneidet. Diese Straße wurde auch von der EU mitfinanziert.

Verluste

"Gerade bei sehr kleinen Populationen bedeutet der Verlust eines einzigen Tieres einen weiteren Schritt in Richtung Aussterben", betont Striebel. "Wir können nicht akzeptieren, dass die EU Kommission, welche sowohl Projekte zum Schutz des Iberischen Luchses unterstützt, gleichzeitig die Zerstörung seines Lebensraumes mitfinanziert!"

Der WWF verlangt bei der aktuellen Reform des EU-Strukturfonds, solche Widersprüche auszuschließen. An Projekte, die zur Gefährdung des Iberischen Luchses und anderer bedrohter Tierarten beitragen, dürfe kein Geld fließen. Das EU Natura 2000 Programm schreibt die Erhaltung, Verbesserung und Ausweitung des Luchshabitats vor. Laut diesem besitzt der Luchs den höchstmöglichen Schutzstatus. Der WWF betont, dass Spanien nicht das gesamte Verbreitungsareal des Iberischen Luchses in das Natura 2000 Netzwerk integriert hat. Äußerst wichtig wäre, eine Verbindung zwischen den zwei verbliebenen Populationen - des Doñana Nationalparks und der Sierra Morena - zu schaffen.

"Beide Populationen sind entscheidend für das Überleben der Art. Alle Vorkommen des Iberischen Luchses müssen in die Natura 2000-Liste der mediterranen Region aufgenommen und die Straße Villamanrique-El Rocio gesperrt werden", sagt Striebel "Die EU kann nicht Bekenntnis zu Naturschutzzielen ablegen und sie dann wieder unterminieren. Artenschutz muss ernst genommen werden!" (red)

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WWF
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