Nach dem Gasometro

16. März 2007, 12:25
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Mario Bevilaqua eröffnete in der Wiener City zwar nicht den am auffälligsten gestylten Mini-Italiener der Stadt, aber dafür einen der stimmigsten - das Grappino

Als er den Boden der damals schon ziemlich zur Ruine verfallenen Blumenhandlung in der Schwarzenbergstraße sah, so Mario Bevilacqua, "da habe ich gesagt, das muss ich haben". Und die Begeisterung ist durchwegs verständlich, schließlich besteht der Boden seines "Grappino" aus 120 Jahre alten, schwarz-weiß karierten Fliesen, wie man sie zwar vielleicht in ein paar Osterien im italienischen Hinterland noch zu finden vermag.

Seit einem guten Jahr hat das Lokal des geborenen Friulaners und langjährigen Großhändlers in Sachen italienischer Lebensmittel nun offen und ist bei seinen Stammgästen nicht zuletzt wegen seiner beeindruckend authentischen Atmosphäre beliebt: eine offene Küche, die olfaktorische Information darüber, was gerade zubereitet wird, durchaus zulässt; eine kleine Vitrine, die nicht nur das Sortiment der Öl-Gemüse bereithält, sondern nicht zuletzt auch als Lichtquelle dient; eine große, rote Schinkenschneidemaschine, na ja, und dann natürlich dieser Boden, der das Attribut "pavimento veramento" durchwegs verdient. Dass der terracottafarbene Anstrich und die Pizzeria-Hits als Hintergrundmusik weniger zur Authentizität beitragen, nimmt man da dann schon in Kauf.

Die Küche im "Grappino" übernimmt Corrado Ceccarelli aus Umbien, der davor schon im "La Sorgente" in der Schottenfeldgasse, dann im "Spuntino" im Tuchlaubenhof und zuletzt in Mario Bevilacquas gastronomischem Gasometer-Experiment "San Mario" kochte. Den Umständen im "Grappino" entsprechend ist das Angebot äußerst übersichtlich: Carpaccio di Manzo und Mozzarella Caprese bestreiten vorspeisenmäßig die Abteilung "Obligatorisches", die Antipasti werden recht undogmatisch zusammengestellt und bestehen eigentlich primär aus Prosciutto (€ 5 / 7,50), wirklich herausragend aber ist das Garnelen-Carpaccio, für das ein Block gefrorener Shrimps hauchdünn aufgeschnitten, über Vogerlsalat drapiert und mit Himbeeressig beträufelt wird - man wird zwar nicht satt davon, hat aber definitiv eins der spektakulärsten Antipasti der Stadt auf dem Teller (€ 10,50).

Die Pasta klingt generell ein bisschen aufregender, als sie dann tatsächlich ist, so stellen sich die Spaghetti mit Branzino und Tomaten dann als ein Teller mit "Tricolore"-Nudeln, ein paar Fischstückerln, Kirschtomaten und reichlich Deko-Rucola heraus (€ 12,50). Die handgemachten Strozzapreti waren leider gerade aus, die Jakobsmuscheln und Steinpilze wurden also mit Penne kombiniert - und erwiesen sich nicht unbedingt als der Nudelweisheit letzter Schluss (€ 12,50). Fleischmäßig steht Fileto di Manzo am Programm, auf drei verschiedene Arten gebraten, sehr dick, sehr saftig, sehr schön, und in der Balsamico-Variante auch wirklich sehr gut. Die Bratkartoffeln und die Rucola sind freilich unnötig und verfälschen nur das Bild (€ 22). Auch ein bisschen Fisch ist vorrätig, etwa eine sehr schön knusprig gebratene Goldbrasse von beachtlicher Größe und leider mit der gleichen Beilagen-Entourage wie das Filet (€ 18).

An Weinen gibt es 14 Stück glasweise, was der Lärmkulisse zwar nicht unbedingt abträglich ist, aber schließlich ist italienischer Restaurant-Lärm ja auch einer der schönsten Lärme, die es gibt. (Florian Holzer, Der Standard/rondo/11/03/2005)

Grappino, Schwarzenbergstr. 1-3, 1010 Wien, Tel.: 01 / 513 20 04, Mo-Sa 10-2 Uhr
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
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