Wohlfühlen in Sicherheit

10. März 2005, 07:00
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Das mittlerweile zweite Frauenhaus der Steiermark bietet den Frauen Schutz und Hilfe in wunderschöner Umgebung - dieStandard.at war auf Besuch

Während draußen sanft der Schnee vom Himmel fällt, bohren im großen weißen Haus starke Handwerkerhände noch lautstark an Löchern, versiegeln Parkettböden und vollenden das verglaste Raucherinnenkammerl in der Küche. Doch die Idylle trügt und die erste Hektik hat schon begonnen. "Es darf kein neuer Handwerker mehr hinein. Gott sei Dank ist unsere erste Klientin berufstätig und bis am Abend wird wohl alles fertig sein." erklärt die Geschäftsführerin Elisabeth Glatz. Denn gerade solche Männerhände, wie die, die eben noch den letzten Schliff an das am Kapfenberger Stadtrand gelegene Gebäude anlegen, sind der Grund dafür, dass Frauen in solchen Institutionen Schutz suchen müssen: im Frauenhaus.

Am 8. März 2005 wurde nun endlich das zweite steirische Frauenhaus in Kapfenberg, für das etliche Frauen und solidarische Männer, darunter der steirische Gesundheitslandesrat Kurt Flecker, mehr als zwanzig Jahre gekämpft haben. "Fünf Träger wurden schlussendlich eingeladen, Konzepte einzureichen und den Zuschlag hat der Verein "Grazer Fraueninitiative" bekommen. Worauf wir unseren Namen gleich geändert haben in "Frauenhäuser Steiermark", falls das dritte und das vierte und das fünfte Frauenhaus kommt." erinnert sich Elisabeth Glatz lächelnd.

Von Frauen für Frauen

Den 2003 ausgeschriebenen Architektinnenwettbewerb konnte die aus der Obersteiermark stammende Uli Tischler für sich entscheiden. Auch wenn von der ursprünglichen Substanz des Hauses, das nach langem Suchen vom Land Steiermark erworben wurde, nicht mehr viel übrig ist, scheint die Entscheidung der Jury eine überaus gelungene zu sein. Erinnert das Haus doch eher an eine Reportage von "Schöner Wohnen" oder einem Wohlfühltempel, wie er gern von vifen "Wellness"-MarketingexpertInnen verkauft wird, als an eine Sozialeinrichtung für Frauen an Not.

Große Fenster, lichtdurchflutete Räume, helle Parkettböden, kuschelige Wohnzimmermöbel und ein ausladender Küchenbereich lassen die Hoffnung aufkommen, dass sich die Frauen, die hier in Zukunft einziehen werden, tatsächlich wohl fühlen können und ihre Wunden schneller verheilen lassen können. Und dass jede Wohneinheit einer bekannten Frau gewidmet wurde, macht positive Vorbilder sichtbar und lässt einen Weg in ein sicheres und selbstbestimmtes Leben vielleicht ein wenig vorstellbarer erscheinen.

Sicherer Wohnraum vs. enge Dorfstrukturen

"Es wird sicherlich einen Unterschied zum Grazer Frauenhaus geben, da bin ich mir sicher. Die Frauen in der Obersteirermark leben in engeren Dorfstrukturen als die Grazerinnen, trotzdem glaube ich, dass sie ihren Weg zu uns finden werden." Seinen Beitrag dazu soll auch der neugestaltete Folder leisten, der erstmals in zwölf unterschiedlichen Sprachen gedruckt wurde. "Die Gemeinde Kapfenberg ist eine sehr engagierte Gemeinde, auch was die Migrantinnenarbeit betrifft. Da wurden wir sehr unterstützt."

Unterstützt wurde im Vorfeld auch noch eine Beratungsstelle in der Kapfenberger Innenstadt, die bereits ein Jahr vor Eröffnung des Frauenhauses Hilfestellung bieten konnte. Glatz: "Das war eine große Hilfe. Wir konnten bereits Kontakte knüpfen und einigen Frauen Unterstützung und Information zukommen lassen." Was sich auch in den Zahlen des Frauenhaus Graz niederschlug: so konnte der Anteil der obersteirischen Frauen, die ihren Weg nach Graz fanden, um etliche Prozent erhöht werden. "Der Weg nach Graz ist für die Obersteirerinnen schon überaus mühsam. Viele mussten dabei dann auch noch ihr soziales Umfeld, die Freundinnen und Mütter, die vielleicht auf die Kinder aufpassten, aufgeben. Das muss jetzt nicht mehr sein."

Abweisungen hoffentlich Vergangenheit

Das permanent überlastete Grazer Frauenhaus hofft nun natürlich auch auf Entlastung. Das ständig über 100 Prozent ausgelastete Haus musste im heurigen Jahr bereits 15 Frauen und 17 Kinder aus Platzmangel vorübergehend abweisen. Dieser Missstand gehört nun hoffentlich der Vergangenheit an ...

(e_mu)

  • Elisabeth Glatz, Geschäftsführerin und langjährige Mitstreiterin für die Rechte der Frauen, kann sich endlich über das neueröffnete Frauenhaus am Stadtrand von Kapfenberg freuen. (Im Vordergrund: der neue multilinguale Infofolder.)
    murlasits
    Elisabeth Glatz, Geschäftsführerin und langjährige Mitstreiterin für die Rechte der Frauen, kann sich endlich über das neueröffnete Frauenhaus am Stadtrand von Kapfenberg freuen. (Im Vordergrund: der neue multilinguale Infofolder.)
  • Der ausladende Küchenbereich bietet genügend Platz zum wohnlichen Kochen, Zusammensitzen und gemeinsam den Alltag Bestreiten.
    murlasits
    Der ausladende Küchenbereich bietet genügend Platz zum wohnlichen Kochen, Zusammensitzen und gemeinsam den Alltag Bestreiten.
  • Jeder Wohnraum wurde einer bekannten Frau gewidmet.
    murlasits
    Jeder Wohnraum wurde einer bekannten Frau gewidmet.
  • MurlasitsUnd im gemütlichen Wohn- und Bügelzimmer können sich die Frauen vom Alltag erholen, ...

    Murlasits

    Und im gemütlichen Wohn- und Bügelzimmer können sich die Frauen vom Alltag erholen, ...
  • ... während sich die Kids im Spielzimmer austoben.
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    ... während sich die Kids im Spielzimmer austoben.
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