"Schröder ist zum Erfolg verdammt"

10. März 2005, 11:19
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Sektionsrat Helmut Moser, als Aufpasser von Ministerin Gehrer zuständig für gleich drei Museen, im Interview

Helmut Moser ist der Aufpasser von Ministerin Elisabeth Gehrer in gleich drei Museen. Im Gespräch mit Thomas Trenkler erklärt er sich sehr zufrieden mit Klaus Albrecht Schröder, mit Edelbert Köb hingegen weniger. Und mit Rudolf Leopold muss er sich mitunter streiten.


Als Leiter der Zentralsektion ist Helmut Moser im Bildungsministerium für das Gesamtbudget zuständig. Nebenbei gilt er als die graue Eminenz in Museumsfragen: Er ist Kuratoriumsvorsitzender des Museums Moderner Kunst (Mumok), Vorstandsvorsitzender der Leopold Museum Privatstiftung und Mitglied des Albertina-Kuratoriums.

Kaum einer schafft es, ihm ein X für ein U vorzumachen. Denn das Mumok und das Leopold Museum kennt Moser, ein CVer, wie seine Westentasche: Von der Ecksteinlegung 1998 bis zur Eröffnung des Museumsquartiers 2001 war er als Prokurist der Errichtungsgesellschaft auch für den Bau der Museen zuständig.

Für das MQ würde er nicht mehr tätig sein wollen, da man nicht gleichzeitig Vermieter und Mieter sein könne. Aber gleich in drei Museen wichtige Funktionen innezuhaben stellt für ihn kein Problem dar, weil er nur in der Stiftung Leopold operativ tätig ist. Wirklich glücklich sind die Direktoren mit dem Aufpasser aber nicht - selbst wenn sie ihm konzedieren müssen, ein hervorragender Controller zu sein, der auch im privaten Bereich ein Sparefroh sei.


STANDARD: Haben die Bundesmuseen genügend Geld? Die Direktoren klagen immer, sie hätten viel zu wenig.

Moser: Klagen gehört zum Geschäft. Ich kenne nicht alle Museen. Aber: Das wirtschaftliche Ergebnis des Mumok besagt nicht, dass das Mumok 2004 zu wenig Geld hatte. Es gab ein schönes Ausstellungsprogramm, und um 1,5 Millionen Euro wurden Kunstwerke gekauft: Das ist ja nicht wenig! Das Mumok hat trotzdem Gewinn gemacht. Zumindest für dieses Haus ist die Basisabgeltung richtig bewertet worden. Was ich aber bedauere: Dass es dem Mumok nicht gelingt, in der Öffentlichkeit mit diesen positiven Nachrichten durchzukommen. Direktor Edelbert Köb wird immer nur dahingehend zitiert, er könne fast keine Kunstwerke kaufen. Mir gegenüber sagt er stets, das würden ihm die bösen Journalisten in den Mund legen. Aber das glaube ich ihm nicht ganz. Gegen die Aussage spricht zudem die Bilanz.

STANDARD: Köb plädiert für eine Erweiterung des Mumok von 4500 auf 8000 Quadratmeter. Unterstützen Sie ihn dabei?

Moser: Und wenn er das restliche Museumsquartier auch noch haben will: Ich habe nichts dagegen, wenn er das mit der bestehenden Basisabgeltung schafft. Die Hofstallung in ein Event-Center umzubauen, wie Köb es vorschlug: Das war eine gute Sache, die sich auch rechnet. Passt! Aber Köb wusste, worauf er sich einlässt, als er das Mumok übernahm. Wenn ich die Leitung eines Haus nicht zu bestimmten Bedingungen übernehmen will, dann darf ich mich nicht bewerben.

STANDARD: Und wie verhält es sich beim Leopold Museum? Als die Sammlung angekauft und der Museumsbau beschlossen wurde, war im Gesetz von einem minimalen Subventionsbedarf von jährlich 872.000 Euro die Rede. Es erhält aber weit mehr.

Moser: Die Summe war wenig realistisch. Vielleicht hat man die Angelegenheit besser dargestellt, um die Materie politisch durchsetzbar zu machen. Aber es war auch vorgesehen, dass wir pro Jahr 1,16 Millionen für Kunstankäufe bekommen, das macht insgesamt zwei Millionen. Und wir kriegen rund 2,33 Millionen.

STANDARD: Rudolf Leopold hat daher kein Ankaufsbudget, was ihn ziemlich giftet.

Moser: Auch das stimmt. Aber wir brauchen das Geld eben für den Betrieb. Mit den 2,33 Millionen - ein vergleichsweise geringer Betrag - kommen wir durch. Mit 872.000 Euro pro Jahr könnten wir nur am Wochenende offen halten. Bei einem Museumsbetrieb, wie Leopold ihn sich vorstellt, liegt der Bedarf bei sechs Millionen. Die Lösung, die wir gefunden haben, ist in Ordnung: Wir müssen uns für das Museum international nicht genieren. Wir hatten letztes Jahr erneut 300.000 Besucher - trotz der Niederkunft der Albertina. Der Eigendeckungsgrad liegt bei über 50 Prozent!

STANDARD: Weil Sie die im März 2003 wiedereröffnete Albertina erwähnen: Auch dort sitzen Sie im Kuratorium. Sind Sie zufrieden mit der Arbeit von Direktor Klaus Albrecht Schröder?

Moser: Ich verstehe seine Intentionen. Auch im Leopold Museum gibt es ein Stockwerk mit Grafik, die wir aus konservatorischen Gründen immer wieder austauschen müssen. Ich kann noch so viel Werbung machen: Grafik alleine motiviert die Leute nicht. Schröder geht einen wahnsinnig spannenden Weg: Er verbindet seinen Sammlungsbestand mit Öl - und diese Mischung sorgt dann für die öffentliche Resonanz. Das ist auch von der Vermittlung her interessant: Die Leute sind zwar nicht wegen Günter Brus in die Albertina gekommen, aber wenn nur zehn Prozent auch diese Ausstellung gesehen haben, so ist das sehr okay. Die tollste Ausstellung bringt nichts, wenn niemand sie sieht. Die zusätzliche Halle hat Schröder aber in eine Zwangssituation gebracht: Wenn eine Großausstellung floppt, hat er ein finanzielles Problem. Er ist ein Getriebener, zum Erfolg verdammt.

STANDARD: Denn er muss im Ausstellungsbereich deckungsgleich bilanzieren. Auch deshalb, weil die Basisabgeltung beschlossen wurde, als die Albertina geschlossen war.

Moser: Man kann immer diskutieren, ob die Summe die Richtige ist. Die Ministerin hat das Budget zudem um 500.000 Euro aufgestockt. Das ist ja nicht nichts! Aber eindeutig: Angesichts des Betriebs, den er fährt, hätte es Schröder bequemer, wenn er mehr Geld bekäme. Andere Direktoren haben es sicher einfacher. Zumal es ihnen durchaus gelingen könnte, den Eigendeckungsgrad zu steigern. Beispielsweise wenn man das Museum für angewandte Kunst auch als Jugendstilmuseum führen würde. Ich habe manchmal den Verdacht, ob nicht MAK-Direktor Peter Noever und Mumok-Direktor Köb in den falschen Häusern sitzen. Köb könnte aus den MAK-Beständen sicher weit mehr herausholen. Er ist ja Professor für Werkerziehung.

STANDARD: Heißt das, Sie sprechen sich gegen eine Verlängerung von Köbs Vertrag aus?

Moser: Das steht derzeit nicht zur Diskussion. Köb hat einen schweren Fehler gemacht: Er selbst hat seine Nachfolgediskussion ausgelöst - drei Jahre vor Ablauf des Vertrages!

STANDARD: Es wurde ja auch Schröders Vertrag drei Jahre vor Ablauf verlängert.

Moser: Das war vielleicht gar keine schlechte Idee. Flapsig gesagt: Schröder muss die Portion, die er sich angerichtet hat, auch selbst aufessen. Zudem gibt es einen nicht unerheblichen Altersunterschied zwischen den beiden Herren: Der eine ist Ende 40, der andere über 60. Ich habe ja bereits einen Direktor auf Lebenszeit. Für seine 80 Jahre ist der Herr Professor erstaunlich agil: Er lässt nach wie vor keinen Streit aus. Aber natürlich wird er langsamer, auch wenn man ihm Beton in den Rücken gespritzt hat, damit er wieder schmerzfrei schlafen kann.

STANDARD: Sie erfahren sehr viel - im einen wie im anderen Haus. Ihre Rolle als Doppelspion wird stark kritisiert.

Moser: Ich bin kein Doppelspion: Ich gehe aus einem Haus heraus - und schweige, wenn ich ins andere hineingehe. Für mich gilt die absolute Amtsverschwiegenheit, was die Betroffenen mitunter nervös macht, weil sie von mir eben tatsächlich nichts erfahren. Aber hin und wieder quäle ich natürlich Köb mit Beispielen aus der Stiftung Leopold. Das hat dazu geführt, dass die Häuser mittlerweile viel besser zusammenarbeiten und auch Synergien nutzen.

STANDARD: Warum wird der Stiftungsbrief nicht verändert, um Restitutionen zu ermöglichen? Der Bund hat doch das Dirimierungsrecht im Vorstand.

Moser: Das ist ein Irrtum: Der Vorsitzende hat das Dirimierungsrecht. Und dieser wird vom Bund nominiert. Es gibt aber kein Weisungsrecht.

STANDARD: Die Frau Ministerin kann Ihnen keine Weisung geben? Sie sind Beamter.

Moser: Eine Weisung im Rahmen meiner Tätigkeit im Leopold Museum wäre rechtswidrig. Ein Stiftungsvorstand ist Organ der Stiftung und hat die Interessen der Stiftung im Auge zu behalten, für ein Fehlverhalten würde ich persönlich haften. Die Ministerin hat daher nie Einfluss genommen.

STANDARD: Fügt man nicht dem Image Österreichs einen Schaden zu, wenn man Rückgaben derart kategorisch ausschließt.

Moser: Es tut mir Leid: Ich bin in dieser Funktion nicht für das Image Österreichs zuständig. Selbstverständlich bemühen wir uns, etwa durch unsere Provenienzforschung, das Ansehen der Stiftung und auch das Ansehen Österreichs positiv zu beeinflussen. In einem Fall könnte es zudem sehr wohl eine Lösung geben. Ich darf darüber aber nicht reden: Mit dem Anwalt wurde Stillschweigen vereinbart.

STANDARD: Ich nehme an, es geht um die "Häuser am Meer" von Egon Schiele. Das Bild hatte einst Jenny Steiner gehört.

Moser: Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Sie sind jedenfalls gut informiert.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2005)

  • Sektionschef Helmut Moser über Rudolf Leopold, Direktor auf Lebenszeit: "Für seine 80 Jahre ist der Herr Professor erstaunlich agil. Er lässt nach wie vor keinen Streit aus." Zur PersonHelmut Moser, geboren 1957 in Wien, studierte Jus und ließ sich zum Verwaltungscontroller ausbilden. Er war für die Universität Wien, das Finanzministerium und die Parlamentsdirektion tätig. Seit 1994 arbeitet er im Bildungsministerium. Im Jänner 2004 wurde Moser zum Leiter der Zentralsektion ernannt. Er ist Mitglied der Bundesvergabe­kontroll­kommission.
    foto: standard/ newald

    Sektionschef Helmut Moser über Rudolf Leopold, Direktor auf Lebenszeit: "Für seine 80 Jahre ist der Herr Professor erstaunlich agil. Er lässt nach wie vor keinen Streit aus."

    Zur Person

    Helmut Moser, geboren 1957 in Wien, studierte Jus und ließ sich zum Verwaltungscontroller ausbilden. Er war für die Universität Wien, das Finanzministerium und die Parlamentsdirektion tätig. Seit 1994 arbeitet er im Bildungsministerium. Im Jänner 2004 wurde Moser zum Leiter der Zentralsektion ernannt. Er ist Mitglied der Bundesvergabe­kontroll­kommission.

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