Ballspielvergnügen bei Hof

16. März 2005, 21:38
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Die Sammlung des Kunsthändlers Michael Stoff kommt "im Kinsky" zur Versteigerung - mit einer speziellen Rarität

Abseits des regulären Veranstaltungskalenders startet man "im Kinsky" kommende Woche mit einer Sonderauktion in die Frühjahrssaison. Am 15. März gelangt die Sammlung des Grazer Kunsthändlers Michael Stoff unter den Hammer, insgesamt ein 575 Positionen umfassendes Angebot an Möbeln, Antiquitäten und Gemälden.

Unter den Bildwerken befindet sich ein aus kulturhistorischer Sicht besonderes: Das Pallonespiel des Südtiroler Malers Stephan Kessler (1622-1700). Kessler, Begründer einer Malerfamilie, gehört zu den wichtigsten österreichischen Vertretern der Zeit des Übergangs von der Renaissance zum Barock. Das Diözesanmuseum Hofburg Brixen bereitet derzeit eine Sonderausstellung zum umfangreichen malerischen Werk des berühmten Bürgers vor (1. Juni bis 31. Oktober 2005).

Nähere Informationen zu dem aus Italien stammenden Ballspiel finden sich in dem 2003 von der Residenzgalerie Salzburg veröffentlichtem Katalog "Spielvergnügen". In Italien wurde dieses "gioco de pugno" oder "gioco de pallone" Ende des 15. Jahrhunderts dokumentiert, und war ausschließlich den Mitgliedern des Hofes vorbehalten.

Es diente der körperlichen Ertüchtigung und dem Ausgleich für geistige Studien. Den Höhepunkt erreichte die Pallone-Mode in den großen europäischen Hauptstädten am Beginn des 17. Jahrhunderts. Die italienischen Wurzeln hielt Kessler in seinem Bild fest - die Szenerie spielt vor einer italienischen Stadtkulisse. Das im Freien stattfindende Spiel wurde auf eine Breite von 12 Metern beschränkt, die Länge war nicht limitiert. Eine Hauptlinie, von der der Anschlag erfolgte, und eine Fehlerlinie befanden sich als Markierungen in der Mitte des Feldes.

Den Ball schlug man wie beim heutigen Volleyball mit ausgestrecktem Unterarm. Zum Schutz vor Verletzungen trugen die Spieler einen robusten, "Bracciale" genannten Holzärmel. Dessen Oberfläche war mit Pech bestrichen, mit straff gespannten Schnüren umwickelt oder in spitz zulaufenden Karos gekerbt, sodass der Ball gezielter und schneller abprellen konne. Als Spielball diente ein aufblasbarer Hohlball - "Folliculare", seit 1530 Pallone genannt -, der bei einem Durchmesser von 17 cm etwa 275 Gramm wog.

Die beiden in dem auf 30.000 Euro taxierten Kessler-Bild gezeigten Bälle gehörten in eine schwerere Kategorie von Bällen, mit einem Durchmesser von mehr als 30 cm. Dieser Typus bestand aus mehreren (bis zu fünf) Lederschichten, die dem harten Aufprall standhalten mussten. Die Außenhaut war aus Mascadiccio, einem besonders zähem Ziegenleder, das weich und gut gefettet sein musste, um die Luft besser zu halten.

Trotz der zahlreichen Lederhüllen hielt der Ball nicht vielen Spielrunden stand. Ähnlich dem heutigen Volleyball wurde der Pallone außen mit weißer Farbe bestrichen. (kron/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2005)

  • "Das Pallonespiel" des Südtiroler Malers Stephan Kessler (1622-1700).
    foto: im kinsky

    "Das Pallonespiel" des Südtiroler Malers Stephan Kessler (1622-1700).

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