Pisa-Studie fordert keine Gesamtschule

25. Oktober 2006, 14:03
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Ein Kommentar der anderen von Hans Katschthaler über den Missbrauch der Pisa-Studie als Erwiderung auf Karl Heinz Gruber

Zur Klarstellung: Pisa untersucht punktuelle Schülerleistungen eines bestimmten Altersjahrganges und prüft keine bestimmten Schularten. Sie fordert daher auch keine Gesamtschule, sosehr dies auch Vertreter der Gesamtschule, wie zuletzt an dieser Stelle der Pädagoge Karl Heinz Gruber (STANDARD, 7. 3.), wünschten und die Pisa-Studie hiefür (mit untauglichen Argumenten) missbrauchen.

Die österreichischen Testschüler/innen haben bei international durchschnittlichen 500 Punkten in Mathematik lediglich 506, im Lesen 491, in den Naturwissenschaften 491 und im Problemlösen gar nur 477 Punkte erreicht. Betrachtet man aber die schulische Herkunft der Testschüler/innen, so schneiden AHS und BHS Schüler/innen mit 571/ 552, 572/544, 566/539 und mit 573/549 Punkten besser als der finnische Testdurchschnitt mit 544, 543, 548 und 548 Punkten ab. Und da soll nun die AHS-Unterstufe in den Topf einer Gesamtschule mit den in ihr auch vorhandenen Schülern/Schülerinnen mit erhöhtem Förderbedarf eingebracht werden und damit die achtstufige AHS der Vergangenheit angehören? - Italien hat die Gesamtschule und liegt mit 466, 476, 486 und 469 Pisa-Punkten weit unter dem internationalen Niveau - auch deutlich hinter Österreich.

Als es noch so etwas wie Hausverstand in der Bildungspolitik gab, hätte man als erste und wichtigste Antwort auf unbefriedigende schulische Leistungsergebnisse auf die altbewährte Spruchweisheit zurückgegriffen: repetitio est mater studiorum; also üben, wiederholen, festigen. Ein Tischler reißt ja auch nicht seine Werkstatt nieder, wenn ihm ein mangelhaftes Finish in seiner Produktion nachgewiesen wird. Er wird diesen Mangel durch Schulung und Übung überwinden.

Stichwort "frühe Auslese": Laut Pisa-Studie besteht kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem eine Selektion stattfindet, und den Durchschnittsergebnissen der Länder. Und noch ein letztes Wort zur immer wieder negativ beurteilten Hauptschule:

Faktum ist, dass weit mehr als die Hälfte der Maturantinnen und Maturanten aus den Hauptschulen kommen und so gut wie alle Facharbeiter und Handwerker, um deren Qualität uns wahrscheinlich auch Finnland beneidet. Leider ist die "gebildete Hand" für viele Bildungsexperten kein Thema, ebenso wenig das "gebildete Herz" oder die Erziehung nach Werten, auf die keine Gesellschaft verzichten kann. (DER STANDARD-Printausgabe, 10.3.2005)

Von Hans Katschthaler, Landeshauptmann von Salzburg i. R.
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