Edle Gestaltung statt purer Masse

16. März 2005, 21:38
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Bei der Maastrichter Tefaf dominieren im Vergleich zu anderen Kunstmessen die kleinen, aber elementaren Unterschiede

Mehr als 25.000 Besucher pilgerten an den ersten drei Tagen des Eröffnungswochenendes zur Tefaf. Zudem waren die Verkäufe schon am Eröffnungsabend der Kunst- und Antiquitätenmesse rekordverdächtig. In Maastricht dominieren im Vergleich zu anderen Kunstmessen eben die kleinen, aber durchaus elementaren Unterschiede.


Maastricht - Die Differenzierung beginnt bei der Präsentation, reicht über die Qualitätskriterien der Kunstobjekte bis hin zum kulturhistorischen Background und Kaufinteresse des finanzstarken Publikums. Die Teilnehmer scheuen keinerlei Aufwand, um hier eine einzigartige Präsentation ihres Angebotes zu bewerkstelligen:

Mit Unterstützung von Architekten bietet eine moderne Kunstkammer elegante Einblicke in die Welt historischer Wissenschaften und Kuriosa (Georg Laue, München), führen pointiert gestaltete Interieurs in die Welt des 17. und 18. Jahrhunderts (Axel Vervoordt, Gravenwezel/Belgien) oder zu den frühen Designern des 20. Jahrhunderts (Philippe Denys, Brüssel).

Bei anderen gewinnt man wiederum den Eindruck, sie hätten eine Heerschar an hochtalentierten Beleuchtungskünstlern beschäftigt. Da zählt nicht die massige Ansammlung an Objekten wie hier zu Lande, sondern die elegante, aber exakte Leitung durch einen Regisseur: etwa Fabrizio Moretti (Florenz) der "seine" Goldgrundmalerei der Renaissance inszeniert, oder Giovanni Sarti (Paris), der frühe italienische Malerei bühnengleich in Szene setzt.

Für einige der Aussteller ist Maastricht nicht der erste Termin im Messekalender 2005. Sie absolvierten schon Anfang Februar Palm Beach. Mit unterschiedlichen Erfahrungswerten, die - abseits von erfolgreichen Verkaufsabschlüssen - freilich nur hinter vorgehaltener Hand geäußert werden. Die Wertschätzung für Kunstobjekte vor 1900 sei in Ermangelung kulturhistorischen Wissens selten vorhanden, die Empfehlung des persönlichen Interior-Beraters traditionell relevanter als der eigene Geschmack und für die Preisgestaltung bei Raritäten fehle jegliches Verständnis.

In Maastricht verkaufte man dagegen am Eröffnungsabend rekordverdächtig: eine große Arbeit des Arte-Povera-Künstlers Alighiero Boetti (Waddington, London), zehn Bilder und darunter ein Cézanne-Aquarell (Noortman, Maastricht), ein De-Hamilton-Stilllebenpaar aus dem 17. Jahrhundert, eine Kreuzabnahme des Meisters des "bestickten Laubes" von 1510/20 sowie das rund 360.000 € schwere Porträt der Prinzessin Murat von Franz Xaver Winterhalter.

"Das Niveau hier ist allerdings so hoch, dass die Begehrlichkeiten überall geweckt werden", merkt Thomas Salis an, der im Preisbereich von 100.000 bis 200.000 Euro bereits erfolgreich war und noch auf den selig machenden siebenstelligen Kaufabschluss wartet. Salis zählt gemeinsam mit der Galerie St. Lucas zu den einzigen österreichischen, dafür jedes Jahr wiederkehrenden Teilnehmern.

Roman Herzigs Altmeister-Angebot überrascht stets mit Marktfrische. Diesmal etwa mit einem 1665 datierten Jagdstillleben-Paar von Jacobus Biltius aus französischem Privatbesitz (240.000 Euro) oder der Hanfernte von Jakob Philipp Hackert, die seit dem Entstehungsjahr 1787 nie öffentlich zu sehen war. Die Verhandlungen für dieses Highlight beginnen bei 1,25 Millionen Euro. Deutlich mehr dürfte der Käufer des Männerporträts von Jan Lievens aktuell bei Jonny van Haeften (London) bezahlt haben. Das Bildnis eines bärtigen alten Mannes war vergangenes Jahr bei Sotheby's in London für umgerechnet 2,47 Millionen Euro versteigert worden.

Das Segment angewandter Kunst erfreut sich selektiver Nachfrage. Möbel dürften zunehmend schwieriger absetzbar werden, während die Entscheidung bei Antiquitäten, Kunsthandwerk sowie Antiken und Objekten alter Kulturen schneller getroffen wird. Georg Laue reichte die Elfenbeinstatue des Chronos von Adam Lenkhardt (Wien, um 1640) an einen Sammler aus Übersee und den in der Renaissance als Einhorn gehandelten Zahn eines Narwals - "je nach Länge und Qualität der Drehung liegen die Kosten hier zwischen 7000 und 14.000 Euro" - an eine deutsche Sammlung weiter.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • Van Dyck, Rubens, Tizian, Tintoretto, Velázquez & Co: Kopien nach großen Meistern hielt der mallorquinische Meister Juan Bauzá y mas 1865 in diesem Bild fest (bei Bernheimer/Colnaghi für 160.000 Euro).
    foto: tefaf

    Van Dyck, Rubens, Tizian, Tintoretto, Velázquez & Co: Kopien nach großen Meistern hielt der mallorquinische Meister Juan Bauzá y mas 1865 in diesem Bild fest (bei Bernheimer/Colnaghi für 160.000 Euro).

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