Wider die Fastenzeit

16. März 2005, 21:34
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Das Osterfestival Tirol borgt sich das "Lächeln Asiens"

Fastenzeit kann man das beileibe nicht nennen: Bis Ostersonntag lädt die Galerie St. Barbara zur reichhaltigen Musik der Religionen. Und wieder zeigt sich die Klasse des Osterfestivals in der Verbindung aus erstklassigem Veranstalten und klassenlosem Vermitteln.

Schwerpunkt ist Asien. Fürs Publikum wird so manches Konzert prozesshaft erfahrbar: Olivier Messiaens Sept Haikus, interpretiert vom Tiroler Ensemble für Neue Musik, werden in Proben zugänglich. Auch der Pianist John Tilbury, mit Hall durch die Morton-Feldman-Einspielung verbunden, ist in Interaktion involviert: Er ist nicht nur Mitgestalter des Abends Kristall und Gesellschaft, sondern studiert mit einem temporären Kollektiv The Great Learning von Cornelius Cardew ein.

Tanztheater lockt auch visuell. Die in Frankreich verortete Amerikanerin Susan Buirge gibt mit der Compagnie Takatsu ein einziges Gastspiel außerhalb ihrer Wahlheimat und Japans. Brücken zu christlicher Religiosität schlagen Bach-Passionen oder die Messe des Zwölftöners Josef Matthias Hauer.

Auch im sakralen Raum wird nicht bloß konsumiert. Eine Zuhörer miteinbeziehende Klangschaleninstallation in der Osternacht - wo die laut Volksglaube nach Rom verflogenen Glocken gerade noch pausieren - lässt indische Gesänge nachhallen. (pen/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2005)

Service

Leben.Sein. Das Lächeln Asiens. Osterfestival Tirol, (05223) 538 08. 9.-26. 3.

  • Gepflegte Wildheit am einstigen japanischen Kaiserhof: schamanische Trancetänze des Kagura Tanztheater.
    foto: osterfestival

    Gepflegte Wildheit am einstigen japanischen Kaiserhof: schamanische Trancetänze des Kagura Tanztheater.

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