Stadler kritisiert "Kukident"-Strategie - Mölzer: Rückzieher Haiders

10. März 2005, 20:29
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FP-Volksanwalt fühlt sich in seiner Haltung bestätigt - FPÖ-Europaabgeordneter "dankbar für Einsicht Haiders"

Wien - "Es fällt mir schwer, den Ernst zu wahren. Aber die Situation ist todernst für die FPÖ", erklärte der beim Parteivorstand entmachtete Volksanwalt Ewald Stadler zur jüngsten Entwicklung, wonach es vorerst keine Neugründung der Partei geben werde. "Ich habe nur gehört, es gibt jetzt eine Kukident-Strategie", erinnerte der Volksanwalt an die Zwei-Phasen-Werbung der Zahnpasta-Firma.

Er fühle sich in seiner Haltung bestätigt, dass "wir jetzt die 101. Neugründungsdebatte haben, in einigen Wochen wahrscheinlich die 102." Dies sei ein "Theater". Auf die "Vollmacht für eine personelle und organisatorische Plattform" angesprochen, die für die Wahl 2006 zu gründen sein wird, zeigte sich Stadler skeptisch: "Ich weiß nicht, was das sein soll. Solche Formulierungen tragen mehr zur Unklarheit als zur Klarheit bei."

"Freue mich über Einladung zu inhaltlicher Debatte"

Dass laut FP-Spitze beim vorzogenen Parteitag alle konstruktiven Kräfte der Bewegung eingeladen werden, freut Stadler. "Ich möchte schon die ganze Zeit eine inhaltliche Debatte führen. Die ganze Diskussion über Befindlichkeiten, Eitelkeiten ist mir schon so zuwider. Ich freue mich über eine Einladung zu einer inhaltlichen Debatte."

Stadler bekräftigte, dass er bei einer Neuwahl der Parteispitze beim Parteitag für keine Funktion kandidieren werde. "Ich freue mich über die Vorverlegung. Damit hat endlich die Parteibasis die Gelegenheit, sich jenen stellen, die offenbar an einer gewissen Realitätsverweigerung leiden."

Mölzer kritisiert Haiders Rückzieher

Als "weiteren Glaubwürdigkeitsverlust" und als "Rückzieher" von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (F) sieht der FPÖ-Europaabgeordnete Andreas Mölzer die Entscheidung der freiheitlichen Führung, trotz zuvor angekündigter Neugründung der Partei diesen Schritt vorerst doch nicht zu machen. Mölzer erklärte, es sei nicht gut, wenn man "jeden Tag eine andere Meldung" höre. Vorgestern habe es geheißen, FPÖ-Neu, gestern FPÖ-Negründung und heute gebe es wieder einen Rückzieher. "Da verspielt man systematisch Glaubwürdigkeit."

"Sehr froh, wenn es keine Spaltung" der FPÖ gibt

Er sei aber "sehr froh, wenn es keine Spaltung" der FPÖ gibt. "Ich bin seit 28 Jahren Mitglied der FPÖ und bleibe es auch. Ich habe nicht vor, in meinem weiteren Leben einer weiteren Partei beizutreten." Mölzer zeigte sich auch "dankbar, dass Haider offenbar in der vergangenen Nacht an Einsicht gewonnen hat. Vielleicht hat ihn dazu auch meine freundschaftliche Aussage in der ZIB 2 bewegt".

Mölzer rechnet mit Neuwahl der ganzen Parteispitze

Konkret dazu befragt, wie es in der FPÖ weitergeht und was die "Vollmacht für eine personelle und organisatorische Plattform" bedeutet, die bei einem vorgezogenen Parteitag verabschiedet werden soll, sagte Mölzer: "Ich verstehe es auch nicht." Es sei ja etwas "notwendiges und sehr schönes, Arbeit zu schaffen. Ich hoffe, Klubobmann Herbert Scheibner gelingt es, zumindest einen Arbeitsplatz zu schaffen. Aber ich gehe davon aus, dass im Fall eines ordentlichen Parteitags es auch zu einer Neuwahl an der ganzen Parteispitze kommen wird müssen."

Er, Mölzer, halte es für unwahrscheinlich, dass es noch zu einer Neugründung der FPÖ kommt. "Und noch unwahrscheinlicher ist, dass ich da übertreten könnte." (APA)

  • Stadler: "Ich weiß nicht, was das sein soll."
    foto: standard/fischer

    Stadler: "Ich weiß nicht, was das sein soll."

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