Schönberg, suggestiv und satirisch

14. März 2005, 22:20
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Eine umfassende Ausstellung im Schönberg Center widmet sich dem bildnerischen Werk des Komponisten

Wien - Als ununterbrochenen "Wechsel von Farben, Rhythmen und Stimmungen" charakterisierte Arnold Schönberg im Sommer 1909 seine Fünf Orchesterstücke in einem Brief an Richard Strauss (der ihm damals noch gewogen war). Charakteristisch für die Tonsprache sei ein schockhafter Wechsel der Ausdrucks-gesten, rezitativische Melodik und ein beinahe impressionistisches Erkunden.

In der Sonderausstellung des Arnold Schönberg Center, der umfangreichsten Schönberg-Ausstellung, die es je zu sehen gab, geht es auch um impressionistisches Erkunden und Ausdrucksgesten: Die Schau zeigt das bildnerische Werk des Komponisten, Musiktheoretikers, Malers und Vordenkers der klassischen musikalischen Moderne. Es wird deutlich, dass Malerei ein integraler Bestandteil seines Schaffens war.

Wie auch nicht - mitunter gab es Zeiten, in denen der Tondichter mehr malte als komponierte. Der Autodidakt bevorzugte Ölgemälde und Zeichnungen. Er sah in der Malerei eine Herausforderung, neues Terrain zu erproben. Zugleich soll er somit familiäre Dissonanzen verarbeitet haben. Mit der Gründung der Arnold Schönberg Center Privatstiftung Anfang 1997 kamen rund 160 Bilder des Künstlers aus Familienbesitz als Dauerleihgabe nach Europa. Neben diesen sind auch Werke zu sehen, die das Center dank jüngster Schenkungen wie einer Winterszene selbst besitzt. Dazu: Leihgaben aus der New Yorker Galerie St. Etienne, von Museen im In- und Ausland und von privaten Leihgebern.

Die Kuratoren Christian Meyer und Therese Muxeneder haben in der Tat Erstaunliches geleistet: sie setzen auf Quellenforschung, auf Chronologie wie auf eine thematische Einteilung, die Schönberg selbst vorgegeben hat.

Der Ablauf der Ausstellung folgt den Klassifizierungen Selbstporträts, Eindrücke und Fantasien, Karikaturen, Studien und Figurinen zu Bühnenwerken, Designs, Porträts und Studien und Naturstücke. Unpublizierte Schriften, Briefe und Zeitdokumente berichten von ersten Ausstellungen der Bilder, geben Einblick in Künstlerfreundschaften und setzten dies in Bezug zur Biografie. So schrieb Anton Webern an Alban Berg, dass er, weil "Schönberg Klimt für den allergrößten Maler aller Zeiten" hielte, eine Mappe mit 25 Handzeichnungen Klimts erworben habe, um den Lehrer zu erfreuen. Sie ist zu bestaunen.

Ephemeren wie drei selbst gestaltete Partien Whist-Karten oder das Koalitions-Schach, natürlich nach den Regeln des Meisters zu spielen, überraschen. Jene Abteilung, die Werken Richard Gerstls gewidmet ist und in welcher auch Porträts von Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer und Egon Schiele, gemalt von Schönberg, hängen, runden die Ausstellung ab.

Der Catalogue raisonné liefert einen Gesamtüberblick zu Schönbergs Bildschaffen. Ein wissenschaftliches und musikalisches Begleitprogramm, sogar eines für Kinder, läuft parallel.

Schönberg nannte das dritte Stück der Fünf Orchesterstücke Farben, das zum ersten Mal die Idee der Klangfarbenmelodie zeigt: Ein einziger, kaum veränderter Akkord wird durch ständig wechselnde Instrumentation immer neu beleuchtet. Wäre diese suggestive Neuerung auch ohne bildnerisches Schaffen möglich geworden? (DER STANDARD, Printausgabe, 09.03.2005)

Von
Beate Hennenberg
  • Der Komponist als Maler: ein "Selbstporträt" von Arnold Schönberg.
    foto: asc

    Der Komponist als Maler: ein "Selbstporträt" von Arnold Schönberg.

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