Grimme-Preise: Nur Raab trotzt öffentlich-rechtlicher Dominanz

22. Juli 2005, 14:03
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Gold für "Wolfsburg" (ZDF/Arte) und "Dittsche" (WDR)

Stefan Raab kann sich als einziger Vertreter des Privatfernsehens bei der 41. Grimme-Preisverleihung unter die Preisträger einreihen. Raab erhielt den Preis ausdrücklich nicht für seine Show "TV total", sondern für seinen Musik-Wettbewerb "SSDSGPS - Ein Lied für Istanbul", der bei ProSieben ausgestrahlt wurde. Mit seiner "wunderbaren Leichtigkeit des Humors" habe Raab "dem Genre der Casting-Show Wiedergutmachung" angedeihen lassen, urteilte die Jury. Unter dem Strich sei auch noch gute Popmusik dabei herausgekommen. Alle übrigen Preise gingen an die öffentlich-rechtlichen Sender.

Die höchsten Auszeichnungen, Grimme-Preise mit Gold, sprach die Jury dem Drama "Wolfsburg" (ZDF/Arte) mit Nina Hoss und Benno Fürmann sowie dem skurrilen wöchentlichen TV-Rückblick "Dittsche" (WDR) mit Olli Dittrich zu. "Ich finde das Milieu und solche Leute interessant", sagte Dittrich, der als Arbeitsloser in einer Imbissbude seine sonderbare Weltsicht offenbart.

Eine "Entwicklung an die Grenzen des guten Geschmacks"

Das abgelaufene Fernsehjahr sei durch eine schwierige wirtschaftliche Situation und mit Sendungen wie der RTL-Dschungelshow durch eine "Entwicklung an die Grenzen des guten Geschmacks" gekennzeichnet gewesen, sagte Interims-Institutsleiter Friedrich Hagedorn.

Als einer der bemerkenswertesten Filme, so das renommierte Adolf-Grimme-Institut, wurde die ZDF-Produktion "kiss and run" geehrt. Der Film um Freundschaft und Liebe junger Menschen in einer Frankfurter Hochhaussiedlung überzeuge durch Frische und Witz und gelte als "wirkliche Entdeckung" des vergangenen Jahres.

Weitere Auszeichnungen gingen an den Hessen-Tatort "Herzversagen" mit Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf, "Grüße aus Kaschmir" und die WDR-Polit-Runde "Hart aber fair" mit Moderator Frank Plasberg. Ohne Preis blieben nominierte Produktionen wie "Stauffenberg", "Spiele der Macht", "Heimat 3" oder "Martin Luther King". Insgesamt waren 620 Produktionen in Konkurrenz um die 17 Preise getreten.

Die "Besondere Ehrung" erhielt der Musiker Klaus Doldinger. Doldinger komponierte die Musik für Filme wie "Das Boot" und "Liebling Kreuzberg" und trug "maßgeblich zur Qualität und Entwicklung des Mediums Fernsehen" bei, begründete der Deutsche Volkshochschul-Verband als Mitträger des Grimme-Instituts seine Wahl.

Wettbewerb "Information& Kultur"

Grimme-Preis an: Frank Plasberg (Moderation), Stefan Wirtz (für die Redaktion), Jürgen Schulte (Produktion) für: "Hart aber fair" (WDR)

Grimme-Preis an: Britta Wauer und Sissi Hüetlin (Buch/Regie) für: "Die Rapoports - Unsere drei Leben" (ZDF/Arte)

Grimme-Preis an: Oliver Axer und Susanne Benze (Buch/Regie), C. Cay Wesnigk (Produktion) für: "Hitlers Hitparade" (ZDF/Arte)

Grimme-Preis an: Karsten Laske (für das Regie- und Autorenteam), Gunnar Dedio (Produktion) für "Damals in der DDR" (ARD/MDR/WDR)

Grimme-Preis an: Ciro Cappellari (Buch/Regie/Kamera) für: "Abdullah Ibrahim" (ZDF/Arte)

"Kultur"-Sonderpreis des Landes

Ebbo Demant (Buch/Regie) für "Neruda" (ARD/SWR/Arte)

Wettbewerb "Fiktion & Unterhaltung"

Grimme-Preis mit Gold an: Nina Hoss und Benno Fürmann (Darstellung), Christian Petzold (Buch/Regie) für: "Wolfsburg" (ZDF/Arte)

Grimme-Preis mit Gold an: Olli Dittrich (Idee und Darstellung) für: "Dittsche @ Das wirklich wahre Leben" (WDR)

Grimme-Preis an: Franz Xaver Bogner (Buch & Regie/stellvertretend für das gesamte Produktionsteam) für: "München 7" (BR)

Grimme-Preis an: Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf (Darstellung), Stephan Falk (Buch), Thomas Freundner (Buch/Regie) für: "Tatort: Herzversagen" (ARD/HR)

Grimme-Preis an: Maggie Peren (Buch & Darstellung), Ken Duken (Darstellung), Annette Ernst (Regie) für: "kiss and run" (ZDF)

Grimme-Preis an: Bernadette Heerwagen und René Ifrah (Darstellung), Harald Göckeritz (Buch), Miguel Alexandre (Regie) für: "Grüße aus Kaschmir" (ARD/BR)

Der Publikumspreis der "Marler Gruppe"

Lale Yavas und Erhan Emre (Darstellung), Tevfik Baser (Buch), Rolf Schübel (Regie) für: "Zeit der Wünsche" (ARD/WDR/BR)

Wettbewerb "Spezial"

Grimme Preis an: Gert Scobel für die Redaktion und Moderation der Sendereihe "delta" und des Kulturmagazins "Kulturzeit" (3sat/ZDF)

Grimme-Preis an: Beate Langmaack sowie die Hauptdarsteller Henry Hübchen und Uwe Steimle für die Gestaltung und Weiterentwicklung des "Polizeiruf 110" (ARD/NDR)

Grimme-Preis an: Stefan Raab für die Entdeckung und Förderung von Musiktalenten durch "SSDSGPS - Ein Lied für Istanbul" (ProSieben)

"Besondere Ehrung"

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens wird vergeben an: Klaus Doldinger.(APA)

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